»Dös derleidest nit!« wiederholte der Göd über eine Weile und machte sich an seinem Halstüchl zu schaffen. »Dös derleidest nit!« brummte er ein paarmal leise vor sich hin. »Ah a so! Wohl nit!« machte er dann nachdenklich.
»Naa.«
Langsam und bedächtig nickte der Alte mit dem zittrigen Kopfe. Dann meinte er schwerfällig: »Unseroans hat aa manches nit derlitten. Unseroans! 's ist aber aft do aa gangen. Guat ist's gangen. Recht guat!« wiederholte er.
»Göd!« Gequält sah der Bursch dem Alten in die Augen, die ihn mit einem Male hart und grausam dünkten. »Seid's iatz an alter Mann, Göd! Und könnt's Euch leicht nimmer vorstellen, was a junger empfindet. Wenn oan a Madel alles ist auf der Welt. Himmel und Herrgott und ...«
Da hob der alte Mann den Zeigefinger seiner knochigen rechten Hand warnend in die Höhe. So steif und ungelenk war der und zitterte bedenklich.
»Tua nit freveln, Bua!« warnte er. »Der Herrgott ist mehrar wia a Weib! Tua nit freveln! Nit freveln!« wiederholte er mit seiner heiseren Stimme. Aber dann gab er doch wenigstens seine Einwilligung, daß der Wastl die Vef zu ihm bringen durfte.
»Magst sie schon bringen, dei' Madl ...« meinte er, etwas weicher gestimmt. »Anschaug'n kann i sie ja. Aber das sell sag' i dir glei' ... deswegen übergib i no lang nit. Und wann sie aa no a so a schian's Fötzl hermacht. Dassell rührt mi nit, sag' i dir. Schon gar nit!« ...
Es hat ihn aber dann doch umgestimmt, den Göd, als er die ehrliche und fast kindliche Freude des Mädels über das Hoamatl sah. Völlig gerührt war der alte Mann geworden, weil die Vef alles so schön fand und die Gegend so lobte. Da wurde ihm der Blick feucht, und die Stimme zitterte, und der zahnlose Mund zog sich noch mehr in die Breite und wurde zum freundlichen Grinsen.
»Ah a so!« machte er. »Schian dunkt's di da, Madel! Wohl schian? Ist freili schian. Freilich! Wann's aa nit extra groß ist. Zwoa Goaß und a Kuah! Ist wohl epper z'wenig für enk zwoa, ha?«
Die Vef schüttelte den Kopf und lachte wie immer ihr strahlendes lustiges Lachen.