Ein mühsam schweres Ernten war das hier hinten in der Gungl. Zu Lasttieren wurden die Menschen, und im mühseligen, nimmer rastenden Fleiß mußten sie dem spröden Erdreich schier jede Kartoffel abringen.
Die Felswände, mit langen Gräsern bewachsen, die wie Schleier darüberfielen, ragten glatt und mächtig oberhalb der Mahd zum steilen Berg empor. Hie und da hatte auf brüchigem Felsvorsprung ein Strauch oder Bäumchen sich eingenistet, und seine Wurzel gedieh und sog an dem spärlichen Erdreich, das ihm hier Nahrung bot.
Im engen Tal brauste der Bach. Wild und ungebärdig. Haushohe Felsblöcke lagen darin und hielten den Wellen Widerpart. Das brodelte und schäumte und bäumte sich auf in wildem Grimm, formte sich zum Kessel und spritzte in weißem Gischt zornig empor.
Große und kleinere Felsblöcke lagen auch verstreut in den grasigen Halden und in unmittelbarer Nähe der Hütte. Ein windschiefer Zaun grenzte das kleine Besitztum ab und machte es als Anwesen kenntlich.
Sogar eine kleine Gasse führte hier vorbei. Die war so steil und steinig, daß nur die abgehärteten Füße dieser Bergmenschen ohne Schmerzen sie gehen konnten. Dieser steinige Weg führte tiefer ins Tal hinein, bis zu dem Rand des Gletschers. Almen lagen da drinnen, auf denen zur Sommerszeit das Vieh aufgetrieben wurde.
Die Vef hatte ein hellfärbiges Tüchl schützend gegen den Sonnenbrand über den Kopf gebunden, die Ärmel ihrer dunklen Jacke weit zurückgeschoben und den Rock vorne hochgeschürzt. So stand sie auf der Mahd und zog mit dem Rechen das Heu zu einem Haufen zusammen.
Ziemlich hoch oben auf der Halde arbeitete sie, dort wo die Felswände anfingen und die Luft schwer zu drücken schien durch die Macht der emporragenden Wände. Der Wastl trug gerade wieder seine gefährliche Heulast zum Stadel herab, der knapp hinter seinem Häusl stand.
Im Gassl unten trieb ein Mann etliche Schweine vorbei. »Tschöh ... tschöh ... tschöh ...« lockte er; denn die Tiere, eigenwillig wie sie nun einmal sind, wollten nicht vorbei an der Hütte. Offenbar witterten sie gutes Futter in der Nähe und wünschten Einkehr hier zu halten.
»Tschöh ... tschöh ... tschöh ...« lockte der Mann, und ungeduldig hieb er mit seinem Stock auf die Schweine ein, daß sie grunzend und schreiend vorwärts liefen.
Die Vef hielt mit der Arbeit inne und schaute von ihrer Höhe aus neugierig zu dem Wanderer herab, der sich kleinwinzig ausnahm. Sie hielt die Hand vor die Augen, um besser zu unterscheiden, wer der Wanderer sei.