Die Vef und der Wastl rissen da freilich beide Augen auf, als sie das Regele und den Florl wiedersahen. So verändert, wie die waren, und kamen ihnen so fremd vor, daß sich der Wastl und auch die Vef anfangs wirklich hart taten mit reden.
Das Regele tat ganz besonders geziert und redete eine Sprache, wie man sie in dieser Gegend herum nicht gewohnt war. Und fein angezogen war sie! Hatte ein schwarzsamtenes Miederleibchen und ein helles Seidentuch darein gesteckt, und ihr Hals guckte blühweiß und schlank daraus hervor. Eine große goldene Brosche hielt das Tüchl ziemlich tief am Halsausschnitt zusammen, und in den zierlichen Ohren hatte sie ein Paar goldene Ohrgehänge, die viel zu lang und schwer waren für die feinen Läppchen und sie unnatürlich in die Länge zogen.
Aber dem Regele schienen die schweren Ohrringe ganz besonders gut zu gefallen; denn sie drehte und wendete das feine Köpfchen nach allen Seiten, um sie ja recht zur Geltung zu bringen. Wie ein kokettes verliebtes Kanarienvogerl war sie und lachte lieb und zutraulich, wenn sie mit dem Wastl sprach. Und wenn sie mit der Vef sprach, dann war es, als ob ein ganz klein wenig Herablassung in ihrem Blick läge. Und eine helle Seidenschürze hatte das Regele, die so kostbar war wie jene, welche die reichen Bäurinnen nur an den allerhöchsten Festtagen zu tragen pflegten.
Die Vef konnte sich im Anfang gar nicht satt sehen an dem Regele. So gut gefiel sie ihr. So fein und nobel wie sie aussah und so hübsch und jung dabei. Wie ein junges Dirndl von zwanzig Jahren war das Regele und sah gar nicht aus wie eine verheiratete Frau.
Der Florl erzählte lachend, wie man das Regele draußen in der Welt immer für ein Fräulein halte, und wie es kein Mensch wisse, daß das bildhübsche Tiroler Mädel seine rechtlich angetraute Gattin sei.
»Fräulein Regina sagen die Leut' zu mein' Grispele!« lachte der Florl überlaut, und es klang doch etwas erzwungen, wenn man mit feinem fühlendem Ohr zu hören verstand. Wenigstens erschien das dem Wastl so, der, die Arme auf die Knie gelegt, vornüber geneigt dasaß und aufmerksam zuhorchte.
»Und Verehrer hat dir die ...« prahlte der Florl weiter und legte seinen Arm um die zierliche Figur der kleinen Frau ... »könnt' eins völlig eifersüchtig werden, wie dö fremden Mannderleut' damit tun ...« meinte er.
Die Vef schlug die vollen Arme über den Kopf zusammen.
»Und dös derlabst du, Florl?« frug sie voll Verwunderung. »Und bist nit amal eifersüchtig?«
Hellauf lachte da der Florl und zog das Regele eng an sich. »Ist ja do mei' Weibl!« sagte er stolz. »Und g'hört koan als mir alloan. Und dös andere, dös g'hört mit zum G'schäft!« erklärte er.