»Was g'hört mit zum G'schäft?« frug da der Wastl auf seine schwerfällige Art und runzelte bedenklich die Stirn. »Wann i mei' Weib ...«

»Bua, das verstehst du nit!« erklärte ihm der Florl mit herablassender Miene. »Dös ist dir ganz an andere Sach' und nit a so wie bei uns herinnen. Siehst, wann sich so a frisches Tiroler Dirndl hinstellt und zu jodeln anfangt, dann ist's aa jedesmal, als ob ihr alle Herzen zufliegen taten. Aber das Jodeln und schian singen allein tut's nit. Kannst mir's glauben. Da muß aa a bißl a Aufmachung dabei sein. Eppas fürs Aug'. Und zu der Aufmachung g'hört's aa, daß wir's nit an jeden auf die Nas'n binden, daß wir verheirat' sein. A ledig's Dirndl wirkt besser als wie a verheirat's Weib. Kannst mir glauben.«

Selbstbewußt und energisch hatte der Florl gesprochen, und die Vef und der Wastl hatten ihm in lautloser Stille zugehört. Sie saßen in der düstern Küche am Tisch und bewirteten ihre Gäste mit Milch und Butterbrot. Am Boden rutschte das älteste Bübl in seinem grauen Flanellhemdchen, und das jüngste strampelte in der Wiege und schrie gebieterisch nach der Mutter.

Die Vef eilte zu ihm und nahm es auf ihren Schoß. Der Göd saß auf der Herdbank, den Hut am Kopf und wie immer in seinem grauen, abgetragenen Lodenrock mit den schwarzen Samtaufschlägen an den Ärmeln, und murmelte leise und unverständlich vor sich hin und bezeigte keinerlei Interesse an den fremden Besuchern.

Die Julie hatte sich schon heimisch gemacht; denn sie sollte ja nun etliche Wochen bei der Schwester bleiben. Sie hatte das Werktagsgewand angezogen und versuchte nun eine kleine freundschaftliche Annäherung mit dem kleinen blonden Buben am Fußboden herbeizuführen. Der wich ihr aber standhaft aus, rutschte so weit er konnte von ihr weg und zu dem Alten hinüber, der auf der Herdbank saß.

Von da aus betrachtete er die Julie neugierig, aber mit ausgesprochenem Mißtrauen; und als die Julie ihre Annäherungsversuche so weit trieb, daß sie den Kleinen auf ihren Arm nahm, da brüllte der Wicht ganz ungebärdig und wollte sich gar nicht mehr beruhigen lassen.

Erst als die Vef den Buben nahm und ihn mit einem tüchtigen Klaps dem Wastl aufs Knie setzte, hörte er zu schreien auf. Er sah aber unausgesetzt und mit zornigem Gesichtchen zu der neuen Tante hinüber, stets bereit, bei dem geringsten Annäherungsversuch von ihrer Seite in ein erneutes Gebrüll auszubrechen.

»Der hat a Stimm'!« meinte der Florl anerkennend, und das Regele schnitt ein so wehleidiges und zimperliches Gesicht, daß man es ihr wohl anmerken konnte, wie unleidlich und zuwider ihr Kindergeschrei geworden war.

»Gibt amal an guten Sänger ab ... mit der Lungl!« erklärte der Florl mit Bestimmtheit.

»Möchtest ihn leicht mitnehmen auf deine Reisen?« lachte die Vef und schaukelte ihren Jüngsten unaufhörlich im Arm hin und her.