»Den? Naa. Der ist mir no zu jung!« sagte der Florl lachend. »Aber enk zwoa, di und den Wastl! Enk könnt' i gut brauchen.«

Dem Wastl war, seit der Florl und die Regina zu Besuch hier weilten, etwas beklommen zumute. Er wußte nicht recht, was es war, aber es freute ihn durchaus nicht, daß die beiden zu ihnen gekommen waren. Er fühlte: diese beiden paßten nicht mehr zu ihnen und auch nicht mehr in die Einsamkeit dieser Berge.

Aus dem Florl war ein Herr geworden. Ein viel feinerer Herr wie aus dem Kramer Veit, der sich trotz jahrelanger Abwesenheit von der Heimat in Sprache und Art doch immer gleichgeblieben war. Der Florl aber fand nicht mehr den richtigen Ton, wenn er mit seinen Landsleuten sprach. Es war etwas Fremdes in seinem Wesen, etwas, das sowohl den Wastl wie auch die Vef von ihm abstieß.

Ein selbstbewußter und selbstsicherer Mann war der Florl geworden. Die elastische, biegsame Figur von ehedem hatte er eingebüßt, war voll und breitschultrig geworden, und die Tracht der Heimat, die er trug, paßte so wenig zu ihm, daß es aussah wie eine Verkleidung und als habe er sie nur zum Spaß angezogen.

Das feine, beinahe mädchenhafte Gesicht, das dem Florl früher eigen war, sah jetzt schwammig und aufgedunsen aus und zeugte vom gesättigten Genuß. Er hatte das Zarte und Frische eingebüßt und auch den übermütig verwegenen Ausdruck, und etwas Bestimmtes, berechnend Schlaues war an dessen Stelle getreten. Der kurze, braune Krausbart, der das Gesicht umrahmt hatte, war jetzt nach städtischer Mode zugestutzt, und die hellen Augen schauten herausfordernd und etwas frech in die Welt.

Als der Florl jetzt die Antwort gab, schaute der Wastl bis ins Innerste erschrocken auf sein Weib. Die Vef aber lachte nur, laut und übermütig, wie sie es stets getan hatte, und küßte ihr blondes Bübl, das auf ihrem Schoße jauchzte und lachte, leidenschaftlich.

»So a Tolm ... a narrischer!« schimpfte sie dann lustig darauf los. »Wir sollten da mittian? Nit zwanz'g Ross' bringeten mi amal außi aus der Gungl!« erklärte sie mit Bestimmtheit.

Erleichtert schaute der Wastl zu dem Göd hinüber, der noch immer teilnahmslos dasaß und nur leise mit dem Kopfe nickte.

»Könnt ihr zwei nimmer singen?« frug da das Regele in ihrer gezierten Sprache, die sie sich zugelegt hatte. »Habt's es ganz verlernt bei enkerer Arbeit?« Eine leise Geringschätzung lag in dieser Frage. Die Vef parierte aber kräftig den Hieb.

»Ah wohl!« sagte sie resolut. »Singen können wir no gut. I und mei' Wastl. Leicht besser wia ös zwoa!«