»Geht's, singt's amal oans!« forderte die Julie auf um dem Gespräch, das jetzt peinlich zu werden drohte, eine andere Wendung zu geben.

Da sangen die Vef und ihr Wastl, und der Florl und das Regele hörten zu. Schönheit und unverbrauchte Kraft lag in ihren Stimmen und eine Wärme und Innigkeit, wenn sie von der Heimat sangen, daß es dem Florl ganz eigen ums Herz wurde.

Diese Innigkeit, das wußte er, die brachte weder er noch das Regele mehr auf, wenn sie den fremden Menschen draußen die Lieder ihrer Heimat sangen. Und beifällig nickte er immer wieder mit dem Kopfe, und als die beiden geendigt hatten, da jubelte es in ihm auf, und übermütig sprang er empor, hob sein Regele wie ein Kind in die Luft und wirbelte sie im Tanz in der Küche herum.

Er pfiff und klatschte dazu mit den Händen, schlug sich aufs Knie und auf die Fußsohlen und führte einen regelrechten und ausgelassenen Schuhplattler auf. Und es war so befreiend frisch und ungezwungen, so voll Lebensfreude und toller Lebenslust, ein Tanz voll von Naturkraft und echtem Triebgefühl, wie er nur in Gottes herrlicher Bergwelt entstehen kann und nur hier vollendet in seiner echten, ungekünstelten Wirkung getanzt werden kann.

Das Regele wiegte sich geschmeidig und neckisch in ihren Hüften und jauchzte und lachte, da sie den Florl so übermütig sah, und freute sich wie ein Kind. Und jetzt erst, nachdem das Echte, Ursprüngliche in diesen beiden jungen Menschen wieder zum Durchbruch gekommen war, jetzt war auch die alte Herzlichkeit zwischen den Freunden wiederhergestellt.

Jetzt wurden der Wastl und die Vef zutraulicher und redeten mit ihren Besuchern wie in alten Tagen. Erzählten ungezwungen von sich und berichteten Nichtigkeiten ihres täglichen Lebens, die sie erfüllten und die ihnen wichtig erschienen. Und das Regele und der Florl hörten ohne zu unterbrechen zu, und es war ihnen, als wäre alles, was sie von diesem schlichten Leben getrennt hatte, verschwunden ... als lebten sie selber wie zuvor dieses schlichte Leben der Heimat, in dem sie wunschlos glücklich waren.

Da der Wastl und die Vef fertig waren mit ihren Berichten, erzählten der Florl und das Regele alles, wie es ihnen ergangen war in der fremden Welt da draußen. Und je mehr sie ins Erzählen kamen, desto fremder wurden sie wieder diesen schlichten Bergleuten, die ihnen zuhörten.

Sie erzählten, wie sie zu Beginn ihrer Reisen hatten in kleinen Wirtschaften singen müssen; und das Regele hatte dann einen Teller nehmen müssen und war von Tisch zu Tisch gegangen, um Geld einzusammeln. Aber dann war es ihnen besser und immer besser ergangen. Man lobte ihren Gesang und drängte sich, um sie zu hören. Und jetzt sangen der Florl und das Regele nur mehr in großen Sälen mit weißgedeckten Tischen und mit großen Spiegelscheiben, von denen viele Kerzenlichter ihren Schein zurückwarfen.

Die Leute, die kamen, um ihren Gesang zu hören, trugen herrliche Kleider aus Samt und Seide und die Frauen funkelnde Edelsteine im Haar und an den Hälsen, und ehe sie in den Saal zu dem Regele und dem Florl durften, mußten sie Geld bezahlen, und das Geld wurde dann zu gleichen Teilen geteilt und gehörte dem Florl, dem Regele und dem Kramer Veit.

»Ja ... aber iatz tut er ja nimmer mit, der Kramer Veit?« frug die Vef neugierig. »Z'wegen was eigentlich?« Sie hatte mit leuchtenden Augen zugehört, und ihre Wangen flammten; denn alles, was der Florl und das Regele erzählten, kam ihr so wunderbar und herrlich und schier unglaublich vor.