Der Florl runzelte leicht geärgert die Stirn und schob sein graues Lodenhütl mit dem auffallend großen Gamsbart weit gegen den Hinterkopf zurück.

»An altmodischer Mensch ist's, der Kramer Veit!« sagte er unwirsch. »Kann nimmer mittun mit junge Leut'!«

»Er derleid't's nit, daß i mi a bißl schian außerputz'!« machte das Regele schnippisch und mit gekränkter Miene.

Der Wastl sah das Regele verständnislos an. »Ah nit?« frug er dann, nur um etwas zu sagen.

»Die Sach' ist nämlich so!« erklärte der Florl wichtig. »Wenn man an Unternehmen in die Höh' bringen will, dann muß man sich aa a bißl an den G'schmack von die Leut' anpassen. Verstehst?«

»Naa!« sagte der Wastl, und die Vef hörte schweigend zu.

Die Julie hatte es nun doch fertiggebracht, daß sie den kleinen Neffen dem Wastl abnehmen durfte, und das hellblonde, pausbäckige Büabl saß jetzt ganz gefügig, aber doch noch mit lauerndem Mißtrauen auf ihrem Schoß und duldete es, daß sie ihm liebkosend mit ihrer Arbeitshand über den kleinen Lockenkopf fuhr.

»Anpassen, dös heißt, man muß den Leuten erstens zeigen, daß wir richtige Bauersleut' sein. Das haben's nämlich gern, weil sie's nit kennen und aa nit verstiahn. Und das Jodeln, das hören sie ganz besonders gern und unsere Sprach' aa. Völlig derkugeln tun sie sich, wenn wir so richtig zu reden anfangen. Und haben aa a Freud' mit uns. A richtige Freud'. Kann's nit anders sagen. Aber siehst, Wastl, so wia wir iatz da sitzen in dem G'wand, das paßt nit ganz zu dem G'schmack von die herrischen Leut'. Das muß man verstehn, und das versteht der Kramer Veit nit. Das G'wand ist zu armselig und sieht nach nix aus. Dös muß man a bißl herrichten, damit's wirkt.«

»Woaßt ...« verfiel nun das Regele in ihrem Eifer wieder in die alte ursprüngliche Mundart ... »der dunkle Kittel da geht do absolut nit für an feinen Konzertsaal. Der muß a bißl kurz sein, daß man die Schuh' g'siecht und a bißl was von die Strümpf' aa ... und's Miederleibl, dös g'hört aa a bißl tiefer ausg'schnitten ... woaßt ... so bis a so daher.« Und sie zeigte wichtig mit der Hand den Ausschnitt des Halses an, der einen schönen Teil der Büste enthüllte.

»Was? A so tief? Und all's nacket?« rief die Vef verwundert. »Da tat' i mi amal schamen!« erklärte sie energisch. »Als a Halbsnacketer vor alle Mannsbilder so dazustiahn!«