Das Regele lachte geziert. »Mei ... dös g'wöhnt man schon ...« meinte sie leicht verlegen ... »und nachdem, weißt, man schaut aa wirklich viel schöner aus a so.«
Die Julie riß ihre Augen auf, so weit es nur anging, und der Mund blieb ihr offen stehen vor Staunen. Der Wastl aber meinte langsam und sehr schwerfällig: »Und dös derlabst du, Florl? Dei' Weib und ...«
»Mei' lieber Wastl!« Der Florl lachte laut und polternd. Es klang beklommen, dieses Lachen und nicht so urwüchsig und befreiend, wie dasjenige vom Kramer Veit. »Wann's a Geld ... viel Geld eintragt ... warum nit? Das derlabest du aa.«
»I tat's schon nit! So a Fackerei!« entrüstete sich die Vef und sprang in hellichtem Zorn von ihrem Sitz auf. Den Säugling übergab sie jetzt ihrem Mann und machte sich am offenen Herd zu schaffen. Blies das Feuer an und holte die Muspfanne von der rauchgeschwärzten Wand herab, und an dem geräuschvollen Geklapper mit der Pfanne erkannte der Wastl, daß die Vef innerlich sehr zornig war. Und das freute ihn, und es freute auch den Alten, der regungslos dasaß und leise und unverständlich mit zahnlosem Munde vor sich hin murmelte.
Eine Weile herrschte eine beklemmende Stille in der kleinen Küche. Keines sprach ein Wort. Der Florl und das Regele fühlten: diese Menschen hatten kein Verständnis für ihren Geschäftsgeist. Gerade so wenig wie der Kramer Veit, der nicht mehr mittun wollte.
Das Regele schaute angelegentlich durch die winzige Fensterscheibe, um ihre Verlegenheit zu verbergen. Draußen hatten sich schwere Gewitterwolken zusammengezogen, und dicke Tropfen prallten heftig ans Fenster. Dicht ballten sich die Nebel und zogen, vom Sturm gejagt, im eiligen Flug schwarzgrau durchs Tal heraus.
»Schau, Florl ...« brach das Regele die Stille ... »wia's da schiach außerkimmt. So schiach!« sagte sie etwas furchtsam.
Da hob der Alte auf der Herdbank den Kopf horchend empor. »Schiach?« frug er mit seiner zittrigen, hohlen Stimme. »Schiach? Mensch ... was die Natur fürer bringt ... dös ist niemals schiach. Ist schian und gewaltig. Weil's von unserm Herrgott selber kimmt.«
Ein greller Blitz leuchtete im scharfen Zickzack durch das Dunkel der Küche, in der jetzt auf dem Herd das Feuer loderte. Und mächtig krachte der Donner. Majestätisch und gewaltig war diese Sprache der Natur und hallte wider im vielfachen Echo von den nahen Felswänden der Berge. Und zornig schäumten die Wasser im Wildbach drunten und brausten so grimmig, daß ihr Toben in der kleinen Hütte deutlich vernehmbar war.
»A Hochwetter!« sagte der Wastl und sah besorgt durch eine andere der winzigen Fensterscheiben. »'s werd do koa Muhr nit niedergiahn.«