»Tian wir beten!« mahnte die Vef.
Sie knieten alle wie sie waren auf den rauhen, holprigen Holzboden der kleinen Küche nieder. Auch der Florl und das Regele. Und der Göd war aufgestanden, steif und hager, und nahm den Hut vom Kopfe und betete laut und mit zittriger Stimme den Wettersegen.
Und das Regele deckte die Augen mit ihren Händen; denn sie fürchtete sich vor den zuckenden Blitzen und hatte Angst vor den Gewalten der Natur, die so mächtig waren.
Und es war doch die Sprache der Heimat, die zu diesen Menschen redete in den Donnern des Hochwetters, im brausenden Tosen des Wildbaches, im Heulen des Sturmes, im gewaltigen Niederrauschen des Regens, im Ächzen und Krachen und Stöhnen der vom Sturm gerüttelten Bäume. Die Heimat sprach zu ihnen in ihren Schrecknissen und in ihren Segnungen ... die heilige Heimat.
Mit ihrer strahlenden Sonne sah sie in ihre Hütten. Mit ihren Schauern machte sie ihre Herzen erbeben ... die heilige Heimat. Sie gab ihnen Obdach und Nahrung. Mit ihren Bergen ragte sie über ihren Freuden und über ihrem Leid. Ihre Erde durchpflügten sie. Aus ihr wuchs Korn und Frucht. Und sie dankten es ihr gläubigen Herzens ... der heiligen Heimat.
Und Gott, der Allmächtige, Allgütige und Allbarmherzige, hatte in seiner ewiglichen Fürsorge die Heimat im Ratschluß seines unerforschlichen Willens über sie alle gesetzt als Herrscherin und Mutter, als Sachwalterin seiner unerschöpflichen Güter, als Statthalterin seiner Macht, als eine Königin von Gottes Gnaden.
Über alle Menschen ist sie gesetzt im Namen Gottes, mächtiger und unvergänglicher als jegliches Herrschergeschlecht dieser Erde ... die Königin Heimat. Sie segnet alle und sorgt für alle und hat alle in Eid und Pflicht genommen und straft alle, die ihr die Treue brechen. Wir sind in ihrer Macht ... Kinder und Untertanen zugleich ... Wer fern von ihr stirbt, dessen Seele sehnt sich nach ihrer Erde ...
Und sie läßt uns ziehen ins fernste Land ... und lächelt dazu ... die Königin Heimat ... Ein Würzelein hat sie heimlich eingegraben in unsern Herzen. Das gräbt sich bei Tag und gräbt sich bei Nacht immer tiefer und tiefer und wächst zum Baum, zum mächtigen Baum und trägt wehe Frucht. Trägt bittersüße Frucht. Wer davon gekostet, will zurück dahin, wo seine Wiege stand, wo er die ersten Lieder hörte, den ersten Boden trat, das erste Brot aß. Ihre Untertanen sind wir allzumal. Keine Macht ist größer auf Erden, weil keine Macht uns so weithin erreicht wie ihre Macht, die über uns gesetzt ist im Namen Gottes ...
Und der Göd betete mit gefalteten, knochigen Händen, mit den sehnigen Händen, die ein langes Menschenalter gearbeitet hatten in ihrem Dienst, treu und unermüdlich, und die in Ehren zittrig geworden waren in ihrem Dienst ... betete gläubig ... Herr Jesu Christ in Deinem Himmelreich ... Schütz' uns vor Dunnder, Blitz, Hagel und Wetterstreich ... Schütz' uns, unser Vieh und unser Korn ... Such' uns nit heim mit Deinem Zorn ... Laß Wetters G'walt vorübergehn ... Wollen allzeit in Deinem heiligen Dienste stehn ... Wollen nit wanken und weichen von Deiner Himmelstür ... Sind selber zu schwach, drum sorg' Du in Deiner Allmacht für ... Vater unser, der Du bist in dem Himmel, geheiliget werde Dein Name!