»Ah, Regerl!« grüßte der größere von den beiden. »Magst mitgiahn aufi aufs Alpl?«

Das Gesicht des Mädels verfinsterte sich, als sie mit flüchtigem Blick die Ankömmlinge streifte und sich dann wie geärgert abwandte.

»Naa!« sagte sie kurz, und ohne auf die Burschen weiter zu achten, lud sie den Kramer Veit nochmals ein, ins Haus zu kommen. »Kömmt's einer in die Stuben, Kramer. A Glasl Schnaps ...«

»Du, Regerl, an Schnaps mögen mir aa. Gelt, Florl?« sagte der größere und kräftigere der beiden jungen Männer lustig.

Sie mochten beide im gleichen Alter sein. Beide wohl kaum über zwanzig Jahre, hübsch und schlank gewachsen. Nur war der Florl um beinahe einen Kopf kleiner als sein Kamerad, aber biegsam wie ein junger Tannenbaum und geschmeidig wie eine Gemse. Das Gesicht war zart und so fein wie das Gesicht eines jungen Mädchens. Ein brauner, krauser Bart rahmte es ein, und kleine, helle Augen sahen scharf und listig und unternehmend zugleich in die Welt.

Die Burschen waren beide im Feiertagsgewand. Der hellgraue kurze Lodenrock mit den schwarzen abgesteppten Sammetstulpen an den Ärmeln brachte den jugendlich kräftigen Wuchs aufs vorteilhafteste zur Geltung. Die dunklen Filzhüte waren mit Rosmarinzweiglein geziert und saßen keck und schief, tief ins Gesicht gedrückt.

»Hast koa Nagele für'n Huat, Regele?« fragte der Florl und versuchte dem Mädel in das abgewendete Gesicht zu schauen.

»Naa!« sagte das Mädel, ohne ihn anzublicken. »Wenn jetzt no nix blühen tut. Weißt wohl.«

Ihr Ton war nun weniger barsch, jedoch ausweichend und leicht verlegen.

»Habt's ös zwoa so schön g'sungen da drunten?« erkundigte sich Veit Galler und deutete mit dem Kopf in die Richtung des Haupttales, wo in weiter Ferne das große, behäbige Dorf lag, mit den weißglänzenden Häusern und der blaßgrünen Kirchturmspitze.