»Aber Anderl!« sagte die Notburg entsetzt. »Wo hast denn iatz dös wieder her?«

»Vom Moidele!« sagte der Bub triumphierend und mit dem strahlenden Augenaufschlag seiner Mutter. »Vom Moidele!«

Das Regele in ihrem feinen Staat machte sich jetzt an den Buben heran und wollte ihn von der Notburg, zu der er sich geflüchtet hatte, wegziehen. Der Anderl aber steckte seinen Kopf in die dunkle Schürze seiner Pflegemutter und schlug abwehrend mit den Beinen um sich.

»Laß mi ... du ...« schrie er ungebärdig.

Die Notburg fuhr dem Kinde mit linder Hand über den dunklen Lockenkopf. »Muaßt brav sein, Büabl ...« mahnte sie mit guter Stimme. »'s ist dei' Muatter!«

»Naa!« wehrte sich der kleine Bursch energisch. »I mag nit.«

»Magst mi nit, Anderl?« schmeichelte das Regele. Sie versuchte, so gut sie konnte, den richtigen Ton zu ihrem Kinde zu finden. Es war aber doch schon lange her, seitdem das Regele in der Kinderstube ihrer Mutter herumhantiert hatte, und sie schien die Art, mit Kindern umzugehen, gründlich verlernt zu haben. Zum mindesten gelang es ihr hier nicht bei dem kleinen Anderl. Der blieb störrisch und abweisend und widerstand hartnäckig ihren Koseworten, und ihre Verlegenheit nahm zu, je mehr sie sich um den Kleinen mühte.

»Schau ... Anderl, i hab' dir was mitgebracht!« lockte das Regele neuerdings.

Der Anderl zog für einen Augenblick das Gesicht aus der Schürze der Notburg hervor und sah neugierig auf das Geschenk, das ihm das Regele jetzt aus einem Päckchen wickelte. Eine schöne silberne Uhr war es, mit einer dicken Kette daran, viel zu groß und schwer noch für den Knirps.

»Schau, Anderl ... g'hört dir!« lockte das Regele den Buben an sich heran, während sie sorgfältig Papier um Papier von Uhr und Kette löste, in dem beides verpackt war, und die schönen Sachen dann dem Kinde zum Bewundern hinhielt.