»G'halt' dir's!« machte das Büabl und versteckte sich abermals unter der Schürze der Pflegemutter. »I brauch' nix von enk zwoa.«
»Aber Anderl ... Anderl ...« mahnte die Notburg ehrlich bestürzt. »Wer wird denn a so sein.« Und hilflos sah sie auf das Kind, das ungebärdig jeden Annäherungsversuch seiner Eltern von sich wies.
»Brauchet halt a Tracht Prügel, der Bua!« konstatierte der Florl unmutig. »Ist arg verzogen, kommt mir vor.«
»Der ist ja völlig aufg'hetzt gegen uns!« sagte das Regele beleidigt. »Dös hätt's ja grad aa nit braucht!« setzte sie schnippisch hinzu.
Die Notburg zog den Kopf des Anderl gewaltsam aus ihrer Schürze hervor und fuhr ihm mit der Hand leicht und beruhigend über das erhitzte Gesichtl.
»Aufg'hetzt hab' i den Buben nit!« erwiderte sie sehr ruhig. »Er tut halt a bißl fremden, der Bua!« fügte sie entschuldigend bei. Und dann fragte sie ihn weich und gut, und das Regele neidete ihr für einen Augenblick diese mütterlich gütige Nachsicht ... »Sag', Anderl ... für wen hast denn alle Abend beten müssen?«
Man hätte es dieser ernsten, wortkargen Frau niemals zugemutet, wie zart und innig ihre Stimme klingen konnte. Und das Regele fühlte in dieser Stunde keine Dankbarkeit für die Güte dieser Frau, sondern nur wütendblinde Eifersucht. Sie war ihr neidig um die Liebe dieses Kindes, das ihr eigen war, und fühlte sich innerlich hilflos und beraubt.
»Für wen hast gebetet, Anderl?« wiederholte die Notburg ihre Frage von vorhin.
»Für di!« erklärte der Bub trotzig.
»Für mi? Und für wen no?« frug die Notburg leise.