Stolz und grimmig lächelt der junge Offizier. Er ist doch ein Mann, dem ein Weib nicht nein sagen sollte! Sein Antlitz ist wohl ein wenig hunnisch, aber energisch und schön; die Gestalt wie aus Stahldraht gedreht, schlank und mit spielend elastischen Muskeln, und Mut hat er für drei!

Aber doch: es hat ihn ein schmierblonder Kandidat ausgestochen!

Tikosch grübelt. Er hat den Lehrer auf Tod und Leben fordern wollen, trotzdem Margit für ihn bat. Die Kameraden jedoch haben ihm gesagt, es wäre kein Kampf gleich auf gleich, und stolz lächelnd hat Gabor verzichtet, den Schulfuchs zu erschlagen. Wenn Fräulein Margit das halbe, zahme Kindergelichter, das der ihr zeugen wird, lieber ist als rassige Jungen, wie er sie ihr gäbe, soll sie's mit dem blonden Thaddädl halten. Er wird davonfliegen und lachen.

Und er ist davongeflogen.

Jetzt hat er seinen eigenen Herd. Ja, seinen selbstgegründeten; mitten im Urwald und ohne Weib und solche Faxen. Hunger, Elend und Triumph hat er nacheinander kennen gelernt, und heute hat er auch das Stehlen gelernt.

Immerhin; vielleicht kommt es noch zum Straßenraub. Ein rechtes Mannesleben sollte überhaupt voll solcher Dinge sein. Als Offizier kommt er hier nicht weit; also wird Tikosch Gabor Räuber werden. Er lacht behaglich, überlegt, wie das ginge, wünscht sich sehr ein paar Gesellen und schläft auch schon gut und ausgiebig, so daß er den werdenden Tag nicht sieht und nicht die schaurige Morgenkälte fühlt, die vor Hahnenkraht alles durchdringt. Er schläft und träumt, daß er sich zu nahe ans Feuer gelegt habe und das verbrenne ihn jetzt. Jähe fährt er weg davon und empor, und dann lacht er.

Es war die helle, heiße, brühende Herbstvormittagssonne, die sich ihm vollhin auf den Pelz gelagert hat, wohl schon seit einer Stunde. Ah: Behagen über Behagen! Und nun gibt's ein Frühstück am Lagerfeuer, wie schon lange keines mehr, und dann ein wenig Jagd, ein wenig Verfolgung und Gefahr — es ist doch ein famoses Leben. Und seine Wunde scheint in dieser einen Nacht verheilt, seit er sich wieder sattgegessen hat.

Bloß eines fehlt ihm noch zum vollkommenen Glück: ein wenig Salz und Butter zu seinen Kartoffeln! Für ein Pfund Butter gäbe er jetzt dem Lehramtskandidaten die ganze sanfte und hochgebildete Margit. Und Tikosch kann jetzt auch wieder fluchen; es gelingt ihm leicht und lästerlich gut.

Vorläufig will er schleichen und pirschen lernen und sich trotz der gestrigen Enttäuschung einen Braten holen; Gott wird ihm schon einen Hasen in den Weg schicken. Sonst muß er's wieder mit den scheuen Waldtauben versuchen. Vielleicht geht es in der Mittagsstille; da schlafen sie ja auf ihren Bäumen, nachdem sie Wasser aus dem Bach aufgenommen. Oder bei der Tränke? Ja, da konnte er eine überraschen. Und der einsame Jäger nahm sein Schießzeug und verlor sich im Walde.

Aber manche Fehlpirsch, manchen mißglückten Schuß kostete es noch, bis Tikosch mit den Pirschregeln und mit seiner mittelalterlichen Waffe vertraut genug war, um das scheue Wild auf vierzig oder gar fünfzig Gänge zu treffen. Die Schußleistung, das Streubild war auf diese Distanz allein schon der Größe dieser Vögel entsprechend, und der kleinste Zielfehler bedeutete einen Hungertag! Der Offizier lernte, seine Willenskraft, seine Nerven auf bisher ganz ungeahnte Weise anzuspannen und alle Energie in einen einzigen Augenblick zu pressen. Nicht einmal in den kritischen Momenten, wo sein Luftfahrzeug in Windstößen zu schlingern begonnen hatte, bedurfte es solcher Zusammenfassung aller Willensmächte auf einen Punkt hin wie jetzt im Augenblick des Schusses, um zu treffen! Nun hatte Tikosch fast jeden zweiten Tag eine Zutat für seine Kartoffeln und Maiskolben, an der ihm freilich der ungewohnte Mangel von Salz und Fett empfindlich wurde. Nur der wütende Hunger vermochte ihn, die reizlose Kost hinunterzuschlingen; denn der Versuch, sich ein paar Körnlein Salz zu verschaffen, wäre mit dem Leben doch zu teuer bezahlt gewesen.