Das junge Weib bekam Mut und Fassung wieder.
»Wenn Sie bedroht sind, haben Sie von mir nichts zu fürchten,« sagte sie ruhig. »Kommen Sie hervor und erzählen Sie! Ich gebe Ihnen mein Versprechen, Sie nie zu verraten, wenn Sie auch gemeingefährlich sein sollten, und Sie zu unterstützen, wenn mir das gut und recht erscheint.«
Tikosch zögerte noch.
»Nun gut, wer sind Sie?« rief die schöne Rumänin ins Gebüsch hinauf.
»Ein österreichischer Offizier.«
»Ah, da können Sie also Deutsch?«
»Ja!« rief Tikosch freudig, als er die Sprache hörte, die seine gute Mutter sehr geliebt hatte.
»Kommen Sie ruhig zu mir,« sagte sie lächelnd. Und in dieser Stimme und in diesen Worten lag eine solche heilandsichere Verheißung von Güte und Glück, daß ihm das Herz entbrannte. Er brach die Zweige, die ihn schützten, auseinander und kam auf sie zu; sehr verlegen, weil er knapp am Bachufer balancieren mußte, um nicht in lächerlichster Weise ins Wasser zu plumpsen. So hatte sie reichlich Zeit, ihren Rock wiederzunehmen und dabei sein schwedisches Lederwams, seine Fliegerkappe, die ihn wie einen Kreuzfahrer in der Kettenhaube erscheinen ließ, und seine Armbrust anzustaunen.
»Herrgott, sind Sie mal eine Erscheinung!« sagte sie in freundlichem Ernst, aber mit ehrlichem Staunen. »Das sieht man nicht alle Tage!«
Endlich stand Tikosch vor der ernsten, dunkelfarbigen jungen Dame und stellte sich mit allen Formen eines Weltmannes vor. Er erzählte, wie er hier mitten in Feindesland so recht buchstäblich vom Himmel gefallen wäre, und wie sein Vorhaben, die Brücke von Zajetschar zu sprengen, mißglückt sei.