»Ah,« sagte sie lächelnd, »da sind Sie also der heruntergeschossene Flieger, über den die hiesige Presse so sehr triumphierte, und den sie von Wölfen auf dem Lissatz zerreißen hatte lassen?«
»Man sucht mich also nicht mehr?« fragte Tikosch aufatmend. »Sagen Sie mir um Gottes willen, gnädige Frau —«
»Fräulein«, unterbrach sie ihn: »Livia Ternaveanu. Ich bin den Österreichern gut.«
»Oh,« rief er, »so sagen Sie mir schnell, wie geht es meinen Leuten? Ich bin seit vier Wochen hier oben im Urwalde, ich bin beinahe verhungert und habe von den Menschen nichts gesehen und gehört als ihre Hunde und ihr fernes Johlen und Singen auf den Höhen! Ich weiß gar nichts, und es zerreißt mir das Herz!«
»Ihren Landsleuten geht es gar nicht gut. Die Serben haben sie bei Schabatz über die Save und bei Valjevo über die Drina zurückgeworfen, und die Russen haben sie in großen Schlachten in Galizien immerwährend geschlagen.«
»Aber das ist ja unmöglich!« schrie Tikosch erbleichend. Ihm war zumute wie einem Manne, der sein Weib blind vertrauend geliebt hatte und sie in den Armen eines anderen ertappen mußte.
»Wo stehen die Serben jetzt? Und wo die Russen?«
»Die Russen in Galizien.«
»Bis wo?«
»Bis Lemberg.«