Der Deutsche ging mit beflügeltem Eifer mit. Die Sache gefiel ihm über die Maßen; namentlich, als ihm Tikosch sagte, daß er den Neuangeworbenen sicherlich für eine soldatische österreichische Auszeichnung melden könnte, wenn die Geschichte gut ginge. »Denk dir, Simon, was für ein Furore die große goldene Tapferkeitsmedaille auf deiner Brust bei euch oben machen tät! Ich nehm' dich gleich, nachdem wir gesehen haben, was mit der Brucken zu machen ist, für den Kaiser in Eid, und du bist dann Soldat. Die Tapferkeitsmedaille ist dann nur deine eigene Sach'!«

»Donnerwetter, wenn ich mit der fechten gehe, kann ich bei jedem Landrat anklopfen: dann rücken sie mit silbernen Halbmärkern 'raus,« sagte Simon begeistert.

Vorsichtig schlichen die neuen Gesellen zur Brücke, die ein zartes, dunkles Eisengewebe über den raschen Bergfluß spann. Das Mondlicht, das im Schwinden war, zeigte ihnen den Posten, der auf der Brücke hin und her schlenderte. Er war in Nationalkleidung, also kein geschulter Soldat. Aber jenseits des Flusses, knapp an der Brücke, stand eine Bretterbaracke, aus der ein kleines, rötliches Licht in die Nacht hinaus sagte, daß dort eine Wachabteilung ihren Sitz hatte, welche gegen Bulgarien zu scharf aufpaßte.

»Wir müssen ins Wasser, sonst sehen sie uns,« sagte Tikosch.

»Donnerwetter,« fluchte der Scheckensimon, aber er stieg entschlossen hinter dem Leutnant das Steilufer hernieder, warf die Kleider ab und panschte leise in die herbstkalte Flut.

»Gib acht, Simon! Ich schwimme über den Fluß und untersuche den Pfeiler, der drüben im tiefen Wasser steht. Du watest bis an die Brücke. Entdeckt uns der Posten, so schieß' ihn nieder, und der zweite Schuß gehört dem ersten, der ihm zu Hilfe kommt. Sie werden verschlafen und verwirrt sein. Kannst du schwimmen?«

»Ja.«

»Werden wir gesehen, so schwimmen wir bis in die Donau hinunter! Bei Tag werden wir in den Dickungen schlafen; fangen sollen sie uns nicht! Was?«

Die Ausforschung der Brücke gelang aber ohne Störung. Hier, weitab vom Feinde, glaubten die schlecht geschulten Komitatschis nicht an Gefahr, und der Posten langweilte sich in dumpfer Zwecklosigkeit auf der Brücke hin und her.

Tikosch sah bald, wo im Pfeiler das Sprengloch für die Mine war, das an jeder Brücke angebracht ist, und es tat ihm nur leid, daß er die Ekrasitbüchse nicht gleich zur Hand hatte. Aber beim Emporklettern wäre er ja doch entdeckt worden. Es mußte ein eigener Plan entworfen werden. Aufmerksam prüfte Tikosch die ganze Gegend, merkte sich jeden Busch, hinter dem man Versteck finden konnte, und besonders die Umgebung des Wachhauses prägte er sich aufs beste ein. Dann schwamm er wieder über den Fluß zurück, dessen reißende Strömung ihn so weit nach abwärts trug, daß er erst nach langem Flußaufwandern den wartenden Simon, schon in ehrlicher Angst, antraf, weil er glaubte, der Leutnant müsse ertrunken sein.