„Nun, Prospère? Verbündeter! Wie geht's? Was hat dein Herr mit unserem Theaterstück ausgerichtet?“

„Herr von Beaumarchais, wir sind sehr betrübt, Ihnen nicht besser gedient haben zu können,“ bedauerte der Kammerdiener. „Ich für meinen Teil habe alles angestrengt, die ‚Hochzeit des Figaro’ zur Aufführung zu bringen, die meinem Stande so viel Gerechtigkeit widerfahren läßt. Seit mein Herr dieses schöne Stück gelesen hat, behandelt er mich sozusagen mit Achtung.“

„Ah,“ lachte Beaumarchais; „er bildet sich ein, auch du müßtest ein Mensch sein? Ein Mensch mit eigenen Gedanken und selbstbedachten Überzeugungen? Was für ein Schwärmer dein Graf; — was für ein Poet!“

Den letzten seiner elliptischen Sätze sprach Herr Caron de Beaumarchais in den Spiegel, durch den er des glänzenden Grafen von Vaudreuil Exzellenz eintreten sah. Er sah auch noch das Lächeln des geschmeichelten Herrn über solches Lob. Dann begrüßte er seinen Gönner.

Der Graf von Vaudreuil war noch von der Audienz im Trianon her in großer Gala und leuchtete von Tressen, Seide und Edelsteinknöpfen heller als ein Bischof im Prunkornat, nur daß diese flimmernden Sachen hübsch, knapp und zierlich an ihm saßen. Er war ein Herr voll feinster Eleganz, der nicht erst als Fünfziger in die Meisterjahre des guten Tons eingetreten war, der bei der Königin alles galt und beim König so viel als Marie Antoinette vermochte: also fast alles.

„Ach Caron,“ rief er müde. „Was soll man mit diesem König machen? Wenn man ihm einen alleruntertänigsten Vortrag hält, so muß alles gut und schön sein wie Gottes Schöpfung am siebenten Tage, da Er sich selber Ruhe genehmigte. Was soll man mit diesem Herrn anfangen, der einem den Rücken dreht, wenn man ihn etwa versichert: Sire, der Adel Frankreichs ist so, wie ‚Figaros Hochzeit’ ihn schildert. Sie haben einen lächerlich unnützen Adel, Sire. — Eine öffentliche Aufführung von ‚Figaros Hochzeit’ würde nur die elektrische Entladung sein, die, nach Herrn Franklins neuester Theorie, die Lüfte im Kampfe ausgleicht, beruhigt und reinigt.

Und der König dreht mir den Rücken und die Audienz ist aus! Er dreht mir den Rücken, sage ich Ihnen, so: — — und die Audienz ist aus ...... Ist aus! Was doch soll man mit einem Herrn machen, der nur angenehme Beruhigungen hören mag?“

„Ei so,“ seufzte Beaumarchais. „Er ist von jener Königsrasse, die nur angenehme oberste Untergebene dulden mag. Noch Ludwig XIII. hielt große Stücke auf unangenehme Kanzler. — Richelieu! Und Frankreich war groß und blieb es so lange, als sein Nachfolger sich von ähnlichen, eigensinnigen Willenskräften beraten ließ. Als der Sonnenkönig damit aufhörte, erging es Frankreich gar nicht mehr gut.