Die Herrscher mit den angenehmen Untergebenen zerstören ihre eigenen Reiche. Unsere ruheliebende Majestät ist solch ein Mann. Sie geruht, auf alle unbehaglichen Zumutungen so lange Nein zu sagen, bis sie Ja sagen muß. Dadurch beraubt sie sich nur des Verdienstes, selber zur rechten Zeit Ja gesagt zu haben. Diese Majestät wird auch zur Aufführung der ‚Hochzeit des Figaro’ in Paris ihre Einwilligung erst dann geben, wenn alle Welt das Stück schon heimlich kennt und wird damit nur meinen Erfolg steigern.“
Der Herr Graf von Vaudreuil bejahte eifrig und fuhr dann in seinem Berichte fort: „Übrigens, mein lieber Caron, war ich, gleich nach meiner kurzen Audienz, — bei Ihrer Majestät, der eigentlich regierenden Königin. Sie hat unsere Sache mit ihren schönen Händen, die sich in alle Dinge mischen, gleich ins Rollen gebracht: „Aber führen Sie doch die hübsche Satire als Liebhabervorstellung auf Ihrem eigenen Schloßtheater in Morfontaine auf,“ lachte sie mich an. „Die Erlaubnis dazu gebe ich Ihnen, und, laden Sie tout Paris ein! —
Nun, Caron, was sagen Sie?“
„Ah,“ rief Beaumarchais und schnellte fröhlich empor. „Das ist eine entzückende Dame! Haben Sie denn, teuerster Graf, schon Vorbereitungen zu unserer Aufführung getroffen?“
„Ei freilich,“ lächelte der Herr von Vaudreuil. „Für die Rolle des Figaro habe ich den größten Philosophen und Charakter Frankreichs, den neuen Schauspieler Crambon gewonnen. Ein Puritaner! Sittenrein und natürlich bis zum Exzeß! Sie werden gleich seine Bekanntschaft machen. Die Regie führen Sie selbst, teurer Dichter. Die Leseproben und die Finessen des Dialogs leitet, wenn es Ihnen lieb ist, unser gemeinsamer Freund, der Dichter Lebrun.“
„Sehr gut,“ bemerkte Beaumarchais. „Lebrun ist ein Medisant von erprobtester Bissigkeit. Er wird die Unverschämtheiten im Dialog auf das feinste herausarbeiten.“
„Der Chevalier von Coigny gibt den Jesuiten.“
„Ha, ha! Der Coigny, der berüchtigte Freigeist und Spötter steckt sich in die Soutane! Mein lieber Graf, der Einfall ist besser als mein ganzes Stück!“
„Die Gräfin,“ fuhr Vaudreuil überglücklich fort, „wird von der elsässischen Demoiselle Klincker sehr rührend und unschuldig gegeben werden. Demoiselle ist auch in den Stunden, wo sie mir ihre Liebe schenkt, rührend und unschuldig. Diese deutschen Mädchen sind wie das Blümchen Vergißmeinnicht. Sie schauen stets fromm in den Himmel, selbst während man sie pflückt. Demoiselle Klincker wird die Unschuld und das Gefühl in Person sein.“
„Wer gibt denn den Pagen?“ erkundigte sich Beaumarchais.