Es war ein großer Schmerz; Vaudreuil ließ sein Stammbuchblatt fallen, Lucien schnellte trotz mangelhafter Bekleidung überrascht in die Höhe, Demoiselle Klincker zog in schweigsam-träger Scham die Decke so hoch über den Kopf, daß unten die hübschen Füßlein herausguckten — — und Lebrun lächelte.

Aber Vaudreuil blieb Edelmann.

„Bester Pater,“ begann er zum Räuber seiner Freuden, „ich bedauere Demoiselle Klincker und mich, daß sie sich keinen anderen Herrn für diese kleinen Vergnügungen zu wählen wußte. Ich bedauere Demoiselle Klincker, weil sie durch den Wechsel ihres Liebhabers Einkünfte verliert, die ihr der neue Besitzer ihrer Schönheit nicht so reichlich wird zuwenden können. — — (Demoiselle Klincker unter der Decke weinte.) — — Und mich bedauere ich, weil es mir nicht vergönnt ist, einen ritterlichen Gegner für die mir zugefügte Beleidigung zur Rechenschaft ziehen zu können.

„Oh!“ rief Lucien mit Lebhaftigkeit: „Was den zweiten Punkt betrifft, so ist das leicht zu korrigieren. Sie werden die Güte haben, Herr Graf, mir eine hübsche, gepuderte Zopfperücke, einen Tressenrock und einen Degen zu leihen, an welchen Dingen ich Mangel leide. Was die übrigen Bestandteile zu einem ritterlichen Gegner betrifft, so habe ich sie zufällig bei mir.“

„Ah!“ rief Vaudreuil schon halb erheitert. „Auf Wiedersehen also morgen um sieben Uhr früh im Garten bei der Ariadne, mein Pater.“

„Auf Wiedersehen!“ Der Abbé verbeugte sich höflich, und Vaudreuil bemerkte noch: „Herr Lebrun wird die Güte haben, Ihnen die gewünschten Requisiten zu überbringen und uns als Zeuge zu dienen.“

Eine tiefe Verbeugung der drei Herren und die Türe schloß sich geräuschlos.

Abbé Lucien hob den Zettel des Grafen auf und las ihn der schluchzenden Demoiselle Klincker lächelnd und mit anmutiger Betonung des alexandrinischen Metrums vor:

Ihr sagt's, und es ist wahr, / daß Phyllis engelrein .....