Das interessante Duell im Garten bei der Ariadne nahm einen reizenden Verlauf. Abbé Lucien focht wie eine Wespe und entwaffnete nach dem dritten Gange seinen gräflichen Gegner. Ehrerbietig nahm er selbst den davonklirrenden Degen vom Boden auf und überreichte ihn mit tiefer Verneigung der Exzellenz des Herrn Grafen von Vaudreuil, der ihm belustigt und versöhnt die Hand hinstreckte.

Chevalier de Coigny und Herr Lebrun, Herr von Beaumarchais und ein Marquis Grouchy, die Zeugen, und Maitre Braçon, der Arzt, applaudierten.

„Und nun gestatten Sie mir, teuerster Herr Graf,“ begann der Abbé, indem er einen Zettel aus der Tasche zog, „Ihnen das gestern bei mir verlorene Epigramm zu überreichen, im Verein mit meinen größten Komplimenten über den Charme, über die zarte Zweideutigkeit und die glückliche Form, in welcher Herr Graf eine Beobachtung eingeschlossen haben, von der es Sie freuen wird zu hören, daß ich selbst sie ihrem vollen Inhalte nach bekräftigt gefunden habe.“

Die Herren lächelten alle wie eine Reihe von Sonnenaufgängen.

„Ah!“ rief Vaudreuil erfreut. „Da Sie sich nicht schmeicheln dürfen, Demoiselles Temperament in größere Schwingungen versetzt zu haben, als dies mir glückte, so würden Sie meiner Neugierde einen großen Gefallen tun, mir zu sagen, wie doch es gerade Ihnen gelingen konnte, die Gunst Demoiselles zu erobern, um die sich so viele glänzende Kavaliere vergebens bemühten?“

„Die Antwort steht schon,“ lächelte Abbé Lucien, „unter Ihren reizenden Versen.“

Herr von Vaudreuil entfaltete den Zettel und las seinen Freunden vor:

Ihr sagt's und es ist wahr / daß Phyllis engelrein.
Nie füllte Leidenschaft / dies Herz mit Feuerpein;
Zwei Schlüssel öffnen nur / des Himmels kleines Tor
Genau so wie in Rom: / Beichtzettel und Louisd'or.

Die Herren applaudierten abermals entzückt und Vaudreuil umarmte seinen geistvollen Gegner. Das war ein köstliches Erlebnis, an dem sich der ganze Hof amüsieren würde.

„Sie müssen Mitleid mit mir haben, meine Herren,“ fügte Abbé Lucien in betrübtem Tone hinzu, „wenn ich Ihnen verrate, daß Demoiselle Klincker mein einziges Beichtkind von zweihundertneunundzwanzig auf Schloß Vaudreuil und Dependancen anwesenden Personen ist. Sie ist sehr fromm. Eine große Merkwürdigkeit, das,“ schloß er seufzend.