Die Herren lächelten alle wie eine Reihe von Sonnenaufgängen.
Die Erstaufführung der „Hochzeit des Figaro“ hatte schon vor dem Aufziehen des Vorhanges ungeheuern Erfolg. Die Blüte des Adels von Frankreich füllte das Parterre des Schloßtheaters so reich, so bunt und erregt, wie ein riesiges Blumenbeet, in dem der Wind plaudert.
Die Logen leuchteten von den herrlichsten Schultern und dem anderen lebenden Elfenbein, das die Damen jener Zeit in so liebenswürdiger Fülle ausstellten. Die hohen Frisuren nickten nervös und lebhaft, die roten Mäulchen plapperten alle durcheinander, übereinander, und ein erregtes Kichern rieselte durch das ganze Theater. Man freute sich der reizenden Geschichte des glänzenden Vaudreuil mit der Klincker und dem kleinen Abbé, der heute wie eine kostbare Berloque umhergereicht wurde — überall vorgestellt, überall angelächelt, überall eingeladen.
Beaumarchais hatte eine Stimmung für sein Werk, wie sie nicht glücklicher sein konnte.
Und wie gespielt wurde! Herr Crambon schien durch die festliche Lichterfreudigkeit des Abends wie verhext. Beaumarchais traute seinen Ohren nicht, seinen Augen nicht, seiner Menschenkenntnis nicht. Dieser Figaro war wie ein Federball: elastisch, luftig, graziös gab und nahm er Stich und Intrige. Er war der vollendete Kammerdiener in jeder Bewegung und hatte mehr Temperament und Beweglichkeit, als alle Wasserkünste von Versailles.
Ach, und die zwei Frauenzimmer! Ach, die Gräfin und Suzanne!
Sie spielten um Herrschaft und Leben, die beiden kleinen Luder. Demoiselle Klincker wußte: heut errang sie sich die Liebe des Herrn von Vaudreuil und ihr hübsches Nadelgeld zurück, oder nie mehr wieder. Die tiefe Wehmut und die passive Rolle der betrogenen Frau lag ihrem trägen Temperamente, und sie war sentimental wie eine Herbstzeitlose im Abendtau.
Das kleine Zöfchen, die Lenore Oiseau aber, die wußte: Heidi, heut gibt's eine vakate Stelle zu erobern! Sie war schlank und graziös wie eine Menuettfigur; sie schlang und schmeichelte sich um ihre Gräfin wie ein Kätzlein. Sie sprühte vor entzückender Koketterie; sie duftete leise und bestrickend nach verhohlener Sinnlichkeit, und die galanten Herren nagten sich vor Appetit die Lippen wund, während sie spielte.
Über alles hin aber sprühte und flammte das Klingengezisch des witzigen Meisterfechters, des Herrn von Beaumarchais. Der gesamte Adel beglückwünschte mit hellrieselndem Gelächter den eleganten Angreifer seiner eigenen Gesellschaft, und ein Applaus ohnegleichen wurde dem unglaublichen Sieger von denen zuteil, die er hier hageldicht prickelnd mit Witz und Hohn überraschte.