Jeder meinte, es gälte dem anderen und alle amüsierten sich köstlich.
Der Anstifter dieser Aufführung, welche ganz eigentlich der geistvolle Prolog zur größten aller Revolutionen war, der ausgezeichnete Graf von Vaudreuil, saß leuchtend vor Glück und blaß vor Wehmut in seiner Loge.
Er hatte dem Genie einen unerhörten Sieg erkämpft.
Er hatte eine schöne Geliebte verloren.
Er würde diese kleine, entzückend geschmeidige Katze, diese Lenore Oiseau zur Geliebten nehmen, würde von ihr geherzt, gebissen und verliebt umringelt werden, wie ihn das Glück und die Hofgunst herzte, verliebt umringelte — — und biß. Und dennoch würde sie ihn betrügen, wie die schöne, fromme, träge Klincker ihn betrogen hatte.
Die kleine Lenore hatte ihm für morgen im Garten ein Rendezvous gegeben. Mit welcher Bedeutsamkeit füllte sich also für ihn ihre Rolle, in der sie ihrem Grafen, ihrem gehänselten Grafen auf der Bühne, das Billettchen annestelte, worin sie den Ort zu einem Stelldichein mit den Versen eines scheinbar harmlosen Gedichtleins verdeckte:
Sonne, die im Westen steht
Läßt dich Süßes ahnen, — — —
Abends, wenn sie untergeht — — —
Hinter den Platanen.
Die Verse gingen ihm im Kopfe umher, er wußte nicht warum. Er wurde alt. Sollte er dennoch nach der kleinen, heißen Lenore greifen? Sollte er ein neues, ernsteres Leben beginnen? Die geistvolle Komödie seines Protegés machte ihn sehr nachdenklich ....
Das Stück war zu Ende gespielt. Rollender Jubel, prasselnder Applaus, donnernder Zuruf stürmte auf Beaumarchais, auf die Schauspieler, auf den erlauchten Mäcen ein. Ja, Vaudreuil wurde aus seiner Loge geholt und mußte mit Caron de Beaumarchais auf die Bühne treten. In seiner Rechten hielt er die kühle Linke des witzigen Dichters, in seiner Linken zuckte die kleine, heiße Hand Lenorens.
„Beaumarchais wurde gefeiert wie die Sonne, Vaudreuil wie Phöbus, der sie am Himmel emporführt,“ schrieb Lebrun einer Freundin.