Es war betäubend und sogar für den Weltmann Vaudreuil zuviel des Sieges. Der Jubelsturm solch erlauchter Gesellschaft, in der die meisten Mitglieder der königlichen Familie vertreten waren, mußte den Widerstand des Königs zerknicken, wie zügellose Rosse einen Hühnerzaun.

Jeder der Gäste fuhr mit dem stahlfesten Entschluß fort: das muß man in Paris hören! Beaumarchais hatte gewonnen Spiel.

In der Nacht aber ging der erlauchte Dilettant Vaudreuil abermals unruhig in seinem Schlafzimmer auf und ab. Er dachte an Crambon, der trotz seiner glänzenden Beweglichkeit vorzöge, ein harter, reiner Philosoph zu sein. Er dachte an Lenore, in die er sich verliebt hatte, und an ihre Verse:

Sonne, die im Westen steht
Läßt dich Süßes ahnen, — — —
Abends, wenn sie untergeht — — —
Hinter den Platanen.


Sonne, die im Westen steht!

Er betrachtete sein Antlitz im Spiegel. Noch blitzten die Augen, aber zahllose, feine Runzeln umspannen sie mit den Buchstaben des nahenden Alters. Der Puder deckte das Grau seiner Haare, graziöse Lebhaftigkeit deckte die leisen Seufzer seines Herzens. Bei Hofe, bei den Dichtern und Denkern Frankreichs galt er als einer der Besten ....

Bei den Frauen nicht mehr.

Und wieder summte er vor sich hin: „Sonne, die im Westen steht ....“

Auch der Dichtertriumph seines Freundes hatte ihn angesteckt. Gestern war ihm eine reizende Sache gelungen. Er mußte heute wieder dichten. Er war voll Gefühl; die beste Stunde war da.