Aber? Vielleicht! Dort, in der tugendreichen Dachstube des Crambon, da ist noch Licht. Ja! Der herbe Philosoph wird mich verstehen.“

Und er wanderte durch hallenden Flur und Treppenhaus zum Philosophen der Entsagung, der rauhen Tugend und der Weltabkehr.

Er hatte mit seinen Versen stets Unglück, denn bei Herrn Crambon fand er die reizende Lenore Oiseau.

Still wie ein Bild stand Herr von Vaudreuil, obwohl sich das Zöfchen ihm zu Füßen warf: „Ach, gnädigster Herr Graf, nehmen Sie mir die kleine Pirouette nicht übel! Crambon war meine Jugendliebe. Ich war ein armes, unbeachtetes Küchenmädchen von vierzehn Jahren, als er der glänzende Kammerdiener des verstorbenen Herzogs Rohan war. Ich liebte ihn, ich traf ihn erst jetzt wieder als den Liebling Ihrer Bühne, und — ach: da haben wir kleine Rocheforter Jugenderinnerungen aufgefrischt.“

„Geh, mein Kind, du hast mir nicht wehe getan,“ sagte der Graf, und das Kätzlein huschte ängstlich fort, den Reifrock unterm Arm, die Pantöffelchen in der Hand.

„Sie aber, Mensch — — Sie haben mir alles genommen,“ sagte der Graf zu Crambon, der bei der Enthüllung seiner Vergangenheit alle Fassung völlig verloren hatte und ganz vergaß, daß er nicht mehr Kammerdiener war. Er stand und wagte mit keiner Muskel zu zucken.

„Sie haben mich glauben machen, es gäbe Tugend. Sie haben mich hoffen gemacht, es gäbe Mannesgröße. Sie haben mich eine Philosophie lieben gemacht, deren Leerheit Sie mir nun zeigen. Ich wäre gerne geworden, wie der, für den ich Sie hielt. Sie aber sind schlimmer als der Charlatan Cagliostro, der den sehnsüchtigen Seelen nur einen Wundertrank für tausendjähriges Leben aufband. Sie verhießen die Ewigkeit; — — und lehren mich nun den Satz: Nur die Gemeinheit ist ewig. Verlassen Sie mein Schloß!“

Und der erlauchte Graf von Vaudreuil ging auf sein Zimmer zurück und weinte — — weinte so stillos, wie es im delikaten Rokoko nicht einmal den Kindern erlaubt war!


Crambon schied.