„Onkel Balsamo!“

„Fortunat, laß mich in Ruhe; wir sind schon an der Treppe. Hier bin ich der Graf Cagliostro.“

„Onkel Giuseppe! Ich weiß, Sie haben von den Geheimnissen der Natur nicht mehr erforscht, als die Geheimnisse menschlicher Schwäche. Gestehen Sie mir das eine, das ich nicht zu ergründen vermag: Welches ist das Geheimnis Ihres Liebestrankes?“

„Du sollst es gleich erfahren, mein Junge.“

„Wo?“

„Hier, jetzt in der Gesellschaft, beim Grafen Barrées. Ich weiß, daß sie mir heute eine Falle stellen wollen. Sei still und benimm dich unverschämt, aber vornehm. Wir sind am Ziel.“


Der Saal ist weiß und gold, die Kerzen flammen, und die ganze Gesellschaft steht regungslos wie buntes Wachsgebilde in einem Krippenspiel. Denn der Graf von Cagliostro ist angekündigt und durch den Salon des Grafen Barrées wehen die Schauer heiliger Erstarrung; nur die ganz jungen Damen haben den Mut, sich auf die Zehenspitzen zu stellen und die Hälse zu recken.

Er tritt ein: groß, hager, ernst, von erhaben-kalter Liebenswürdigkeit. Alle sehen sie ihn schaudernd an: sie sehen ein von Leidenschaften zerfurchtes Gesicht? Nein. Es sind die Runen der zehn Jahrhunderte, die dieser Mann erlebte. Tausend Jahre alt .....