Bis Barrées zu den nächsten Gästen und zurück gehumpelt war, flüsterte ihm sein Neffe zu: Du wirst dir mit solch nachlässiger Behandlung den Ärger und sehr bald den Haß des großen Herrn verdienen.“

„Geachtet wird, wer nicht achtet,“ sagte Cagliostro regungslos, mit geradeblickenden Augen und geschlossenen Zähnen. Kaum, daß sich seine Lippen bewegten. Er erwartete neue Tröpfe, da hieß es aufpassen und beobachten.

Barrées stellte sie lächelnd vor. Sie und ihre Krankheiten. Es war eine große, ärztliche Visite: „Gräfin des Fouches. Noch ziemlich jung, aber immer noch verliebt. Demoiselle Chanzy d'Armagnac de Bracy. Zu jung, kann aber schon nicht mehr lieben. Madame Sinisterre de Solerol. Haßt die Kirche und sehnt sich nach wahrer Religion. Fürst Ehrenbreitenstein-Metsch, hat eine Flintenkugel ins Schultergelenk eingewachsen, Marquis Caval leidet an einem Nebenbuhler und einer Schauspielerin, und endlich“ — der Graf nahm all seine feine Bosheit zusammen — „Ehrendoktor Jakob Mignard, Mitglied und Abgesandter der Akademie: Wissensdurst und Zweifel an Ihrer Kunst.“

Bisher hatte der Graf von Cagliostro ruhig gelächelt und mit diesem Lächeln gesagt: „Wir werden helfen.“ Bei der Vorstellung des berüchtigten, neidischen Gelehrten Mignard zuckte er in leiser Nervosität auf, sammelte sich ungemein leicht und schnell und sagte: „Ah! Doktor Mignard? Das ist ein interessanter Fall. Beginnen wir also mit Ihnen? Nun: Sie begehren natürlich meine Kunst zu prüfen. Wählen Sie, verehrter Doktor, nur kühnlich jenes Gebiet, das Ihnen am zweifelwürdigsten erscheint.“

Die ganze Gesellschaft drängte sich um den Akademiker und den göttlichen Schwindler. Mignard, der überraschen hatte wollen und dem es nun viel zu geschwind hergegangen war, wurde rot, und Cagliostro wurde noch verbindlicher. Er fuhr fort: „Es ist mir lieb, daß die Akademie den exaktesten ihrer Köpfe zu mir gesandt hat. Es ist mir lieb, Herr Professor, daß Sie mich prüfen, so strenge Sie es vermögen. Stellen Sie mir jede Frage, jede Aufgabe. Was, zum Beispiel, bezweifeln Sie an mir?“

Der leidenschaftliche Lehrling der Hochstapelei, Cagliostros Neffe Fortunat, hatte sich hinter den Professor gedrängt und flüsterte ihm mit dem ganzen Ausdruck seiner eigenen Ungeduld zu: „Den Liebestrank!“

Ach, der Professor hatte zwanzig Jahre lang Schule gesessen! Er war fast ein Musterschüler gewesen, aber dennoch: Wo ihm etwas fehlte, das hatte er sich von den Mitschülern zuflüsternd einblasen lassen. Nun saß es im Blute, nun wirkte es, im Bunde mit der unwiderstehlichen Gewohnheit des Gelehrten, der seiner ganzen Weisheit Beweiskraft nicht in sich, sondern in enggeschlossenem Harst hinter seinem Rücken weiß.

Und er sagte aufatmend: „Der Liebestrank.“

„Ah,“ freute sich das ganze Menschenblumenbeet und vibrierte vor lauter Ereignisschauern.

„Wünschen Sie ein Experiment?“ gab ihm Cagliostro freundlich vor.