„Ich bitte Sie, Mesdames und Messieurs, Ihre Opfer zu wählen,“ sagte Cagliostro so kalt, daß den galanten Gesellschaften ein Grausen über den Rücken lief, denn Liebe als chemisches Experiment behandeln, hieß sogar mit der Frivolität frivol umgehen. Das war stark; wirklich. Aber es war eine aufregende Neuigkeit. Man war zum erstenmal seit seiner Jugend in bänglichster Spannung.
Nun erstiegen auch die ersten Herren in den hintersten Reihen die Stühle.
„Wie wär's mit dir, Clarisse?“ fragte der verwitwete Barrées seine Tochter, und begeisterter Applaus lohnte dem kühnen Hausherrn.
„Oho; nein, ich danke!“ rief das Mädchen und hob abwehrend die Hand.
„Meine Tochter ist nämlich Künstlerin und will nichts anderes bleiben, als Künstlerin. Sie singt eine prächtige Koloratur und glaubt durch eine Heirat daran Schaden zu leiden. Sie kann nicht lieben. Bester Herr Graf, wenn Sie sie etwa in irgendeinen jungen Adeligen von guter Familie verliebt machen könnten, — ich wäre Ihnen höchlich verpflichtet.“
All das wurde gesprochen in jenem Tone, der aus Spaß und Ernst gemischt war und aus dem nur ein Weltmann die Ingredienzien zu scheiden vermochte.
„Ist solch ein junger Edelmann hier?“ fragte Cagliostro ruhig dagegen; und wirklich verhinderte er damit den angeerbt taktvollen Barrées, einen Mann seiner Wünsche zu nennen.
„Aber Herr Graf und Sie, Komtesse! Glauben Sie denn, er brächte es fertig, mit sehenden Augen anzustiften, was sogar der Gott der klugen Griechen nur mit verbundenen Augen vermochte?“ flüsterte der gereizte Akademiker Mignard dem Gastgeber und seiner Tochter zu. „Herr Graf, sind Sie noch der alte Freigeist? Und Sie, Komtesse, fürchten sich vor einem Glase Kognak und etwas Hokuspokus? Habe ich Ihnen umsonst die chemische Analyse seines Liebestrankes mitgeteilt?“
„Gut,“ sagte das mutige Mädchen beruhigt, „ich gebe mich zu dem Experiment her.“
Es trat ein Augenblick der Ruhe ein. Alles hatte vernommen, um welchen Preis der Kampf gehen sollte; es war wirklich viel. Sehr viel: für Cagliostro, für Mignard, für Barrées und die Komtesse.