„Ja aber,“ sagte Clarisse ängstlich, „ich habe mir Herrn Olivier noch gar nicht so genau angesehen.“

„Um so besser,“ lachten die Damen und klatschten in die Hände.

„Sie werden den Liebestrank vor unseren Augen bereiten?“ fragte der starke Herr von Ehrenbreitenstein mit der gelähmten Schulter.

„Ja,“ erwiderte Cagliostro gleichgültig. Er hatte schon aus seinen Taschen einige kleine Phiolen gezogen und damit zu arbeiten begonnen. „Ein Glas Madeira,“ winkte er einem Bedienten.

Es wurde sehr still. Die Scherze zweier Gamins kitzelten niemand; da wurde selbst jenen bang, die sonst die Fahnenschwinger des Gelächters waren.

Cagliostro war rasch fertig. Er hatte eine grüne, eine rote, eine braune Mixtur in je ein Gläschen getan, dann goß er alle drei mit dem Madeirawein zusammen und wartete einige Sekunden, indem er kühl und hart vor sich hinblickte. Dann teilte er den Trank, scheinbar zerstreut, ungenau und gleichgültig in zwei andere Gläschen.

„Ich bitte rasch zu trinken; wo sind meine jungen Herrschaften?“

Clarisse kam zuerst heran. Sie war hübsch, nur etwas mager, und ihre Nase war lang, die Figur beweglich, das Gesichtlein hatte traurige Augen, die jetzt sehr ängstlich aussahen. Sie kostete und hustete. „Hinunter!“ rief Cagliostro grob. Da erbleichte sie und wollte nicht mehr.

„Trinken Sie,“ grollte er sie an. „Mignard bewies Ihnen ja die Ungefährlichkeit in der chemischen Analyse.“

Da trank sie das Ganze gehorsam und erschrocken hinunter.