„Woher wissen Sie das von der chemischen Analyse,“ fragte das arme Mädchen dann nach einer ganzen Schreckenspause, während derer ihm das starke Getränk wie Feuer im Magen wühlte.
„Aus meinem Brennspiegel. Wo ist Herr Leutnant zur See, Olivier Mignard?“
Mignard trat in prachtvoller Haltung vor und erhielt Applaus. Er schlug den Zopf nach der Schulter wie eine Peitsche, als er rechts zur Gesellschaft hinüber sah und warf sich dann ganz wie ein Soldat ins Feuer: nach außen Entschlossenheit, Kraft und Halbgötterei, und innen windet sich angstvoll das Würmlein Menschenschwäche zurück. Für seinen Vater tat er alles. Messieurs und Mesdames waren aber auch hingerissen und entzückt über das hübsche Opfertier und sehr neugierig.
Als er jedoch Clarisse ansah, die ihm etwas verlegen, etwas kläglich und etwas empört entgegenblickte, da ward der Franzose in ihm stärker als der Sohn, oder vielmehr schwächer.
Sie war so rührend, so adelig, der Kopf saß so hingegeben unter der großen Last der Haartracht auf dem schlanken Halse; und er, er war gekommen, um öffentlich darzutun, daß er dieses entzückende Geschöpf nie und nimmermehr lieben wolle. Taktlos und vermessen!
„Madame,“ sagte er und stolperte mit seiner Rede sehr: „Nicht, weil es Ihrem Reiz nicht gelingen könnte, mein Herz nicht klein und schwach zu machen“ —
Clarisse lächelte ein wenig, wandte sich aber in kokettem Trotze von ihm fort und wandte sich zum Gehen.
„— oh Madame,“ vollendete der geängstigte Schiffsleutnant seine Rede, indem er ihr nachsah; „das ist außer allem Zweifel, daß ich nicht Ihnen widerstehen möchte; nur diesem Herrn hier —“
„Also trinken Sie,“ sagte Cagliostro mit kühlem Lächeln.
Da hob Olivier das Glas und rettete das Gehaben eines Seemanns, der sich Trost gegen einen scharfen Nordnordwest zuführt, in diese bange Stunde. Cagliostro hatte ihm viermal soviel zugedacht, als dem Mädchen. Er aber setzte an: ein Schluck, ein Druck und ihm war wohl und warm im Leibe.