„Ausgezeichnet,“ sagte er unwillkürlich.

Die Herren riefen dieser natürlichen Trinkermanier Beifall zu, die Damen aber waren etwas gereizt; — wie stets, wenn einer nicht recht lieben will. Ja, eine alte, sonst heitere Stiftsdame nahm das Wort und wandte sich ungeduldig an Herrn von Cagliostro: „Wie lange, mein Graf, wird es nun wohl dauern, bis dieser junge Atheist seine Strafe für die Vermessenheit, ein so entzückendes Geschöpf verschmähen zu wollen, in seinem Herzen aufsteigen fühlen wird!?“

Mignard erschrak über den Unwillen der alten Dame, Cagliostro aber räumte die Phiolen zusammen und übergab sie seinem Neffen. „Das ist,“ sagte er, „je nach der Anlage eines Menschen. Ich bedaure, daß Herr Mignard Offizier zur See ist. Man ist als solcher schon gegen ein bloßes Frauenlächeln schwach und hat in den Häfen einen Heidenrespekt gegen die dort gänzlich fehlende Frauenreinheit und Feinheit erworben. Ich hoffe übrigens, daß Herr Leutnant nicht kürzlich von einer langen Seereise zurückgekehrt sind.“ Er schmunzelte diabolisch. „Sechs oder sieben Monate ungebrochener Einatmung von Salzwasserluft, sowie die lange Gewöhnung des Auges an nichts als Himmel und Meer ergeben eine ungemein starke chemische Affinität zu meiner Mixtur. — Ja. — Aber Herr Mignard, als Sohn, wird sich heldenmütig wehren.“

„Ach, und die Komtesse ist schon geflüchtet?“ rief ein junger Herr.

„O nein,“ erklang Clarisses Stimme aus einem Winkel. Sie hatte sich von dort, sehr gereizt, den jungen, trotzig-schönen Soldaten angesehen, der sie durchaus nicht lieben wollte. Sie hoffte, Olivier würde sich wenigstens zu ihr begeben und ihr den ganzen Abend Gesellschaft leisten, um den andern zu beweisen, daß er das Fluidum Cagliostros verachte. Dann würde sie ihn zu strafen wissen.

Aber, ach nein, Herr Mignard vermied sie und sah nur sehr selten mit schnellen, verbotenen Blicken nach ihr, als ob er stehlen wollte.

„Na wart',“ dachte sie. Sie war schwer gekränkt.

Kein Mensch hatte eine Ahnung, wie wunderbar singen sie gelernt hatte. Trotz aller Eitelkeit hatte sie es verborgen, daß sie bei dem ausgezeichneten Maestro Primavesi Singstunden nahm. Sie gedachte am Hofe des Königs zum ersten Male hervorzutreten, als die vom Himmel gefallene Meisterin. Aber nun hielt sie es nicht mehr aus. Man verachtete sie, man beleidigte sie, man vermaß sich, sie samt einem Zaubertrank im Leibe nicht reizend zu finden. Weil sie noch schlank war? Weil ihre Nase nicht stumpf und rund war? Oh!

Bei Tische krampfte sie Tränen hinunter. Der junge Mignard saß neben einer Frau, deren Kehle, Schultern und Brust sich herrlich ausbreiteten, wie blühender Speck. Diese schöne, umfangreiche Dame war eine Freundin von Oliviers Mutter, und Clarisse ahnte, daß sie mit den Herren der Academie française verschworen sein könnte, und von ihrem ironischen Papa nur eingeladen war, um diesen ahnungslosen Leutnant zur See gegen den Liebestrank zu immunisieren, ja wohl gar, ihn zu verführen. Sie sah gar nicht hinüber, aber sie verachtete die ganze Akademie in dieser Frau.

Ein Glück, daß Meister Primavesi neben ihr saß, der ihr seit einem halben Jahr an jedem großen Gesellschaftsabend zuraunte: „Ach, nur eine Generalprobe, Contessa; nur ein Pröbchen Ihrer liebenswürdigen Kunst und meiner Schule. Ich hätte einige hoffnungsvolle Damen hier, die unfehlbar meine Elevinnen würden, wenn sie Sie hörten.“