Der König sollte das seltsame, veraltete, kriegsrechtliche Urteil bestätigen. Er war dick, behäbig und ehrlich und dachte bei einer der nachdenklichen Handlungen, welche zum lever gehörten, ernsthaft über das Schicksal meines Urgroßvaters Primus nach. Als ihm dabei der Marquis Massimel de la Réole de Courtroy glückselig lächelnd nahe kam, fragte er ihn ziemlich einsilbig: Was soll man nun mit diesem Primus machen? Hat eine alte Vieherei (bêtise) neu zur Mode gebracht ...

Der Marquis wußte gar nicht, worum es sich handelte, sagte also geistesschnell: Wollen Sire mir, da es sich um Modesachen handelt, gestatten, meine Frau zu befragen?

Der ganze Hof lachte und Seine bequeme Majestät lächelte; sie hatte Aufschub, daher war es ihr genehm und so wurde das Schicksal meines Urgroßvaters in die reizenden Hände der Marquise Blanchefleure gelegt, welche zur gleichen Zeit an der Morgenhaube Marie Antoinettes nestelten. Das Lever der entzückend leichtfertigen Königin begann eine ganze Stunde später, aber der Marquis wurde als Mann seiner Frau und Bote des Königs sogleich vorgelassen. Er hatte sich inzwischen über den Fall Primus Thaller orientiert und trug ihn den beiden Damen vor.

Madame Blanchefleure klatschte entzückt in die Hände. Ein Schweizer! Wie reizend! Ich erbitte ihn mir von der schönen Majestät Frankreichs, damit er mir auf meinem Gut in La Réole eine Alpe mit scheckigen Kühen herrichtet.

Die Königin lachte und sagte zu.

„Er wird echte Kuhglocken besorgen müssen und einen grauen Tuchrock mit roter Weste, blauen Strümpfen, Schäferhut und himmelblauen Bändern tragen müssen. Im Juni besucht unsere königliche Majestät unser Gut und da wird er uns auf einer reizenden Alpe, die wir inzwischen erbaut haben werden, den fatalen Kuhreihen zu aller Vergnügen vorsingen müssen. Nicht wahr, schöne Majestät?“

Wieder lachte die fröhliche, leichtsinnige Königin, stimmte zu und der König begnadigte meinen Urgroßvater mit aller Gravität, welche zu einer so erfreulichen Angelegenheit von Gerichts wegen gehört.

Dann hatte Herr Primus Audienz bei Madame Blanchefleure, um sich für Leben und Freiheit zu bedanken.

Zum Soldaten hatte er sich unbrauchbar erwiesen, der Verführer aus spießbürgerlicher Sehnsucht; er war ausgestoßen worden und kam schon in appenzellerisch angehauchtem Bürgerkleide mit rundem Hut zu ihr. Madame Blanchefleure hatte vor Neugierde und Aufregung über die Sensation kalte Hände und heiße Wangen bekommen. Als das erbärmlich schlichte, graue Ereignis in Gestalt des armen Jungen eingelassen wurde, stand ihr der Atem still. Sie hatte sich, weiß Gott was für einen Gewaltigen vorgestellt, einen Aufrührer und Verführer des Volkes, dem die Rede in Flammenströmen aus dem Munde fuhr, und nun kam ein Gesetzbuch bürgerlicher Rechte herein: brav, still und ehrlich, ein rechter: Gib mir das, so hast du das.

Ahnt Ihr aber, was ihm Madame Blanchefleure gab?