Als er eintrat und ihr treuherzig sagte: Es war schön von Ihnen, Gnädigste, daß Sie einem wildfremden armen Kerl Ihr gutes Herz zuwandten, da betrachtete sie, indem an seiner Kleidung und Gestalt wenig Erstaunliches war, sein Antlitz: er hatte unsere grauen, scharfen Augen, ein schmales, ehrliches Gesicht, hohe Schläfen, Hagernase, und nur die Jugend vermochte etwas Weichheit über diese unbequeme Catohaftigkeit zu gießen. Vor allem aber hatte er jenes ruhige Zentrum der Welt mitten in sich, welches den rechten Mann nicht einmal mit neun Maß Wein schwanken läßt, — nicht einmal im Verliebtsein, nicht einmal im politischen Kampf gewaltiger Zeiten. Es ist wahr, er stand wie das Symbol der Sicherheit vor ihr auf beiden gespreizten Beinen zugleich. Alte Gewohnheit der Schweizer, vererbt durch vieles Raufen.

Sie aber sah sich dieses unendlich sichere Antlitz an und dachte bei sich: Ich werde ihn dazu bringen, von mir zu sagen: elle me fait troubler.

Das war der Standpunkt, von dem aus sie Männer behandelte.

„Aber hören Sie,“ begann sie verwundert. „Sie? Sie haben gesungen? Sie sehen doch ganz anders aus.“

„Ich kann auch nicht singen. Ich wollte mich nur bei Ihnen bedanken.“

„Wie haben Sie dann Ihren ranz de vache singen können?“

„Das war nur so — von innen!“

„Aus Heimweh wohl?“

„Ich hatte nur daran gedacht, daß Appenzell besser sei als Paris.“

„Mein Gott, und Sie wollen fort von hier? Was haben wir Ihnen getan? Es ist kränkend. Wir, wir lieben die Schweizer, sie sind uns wie ein ehrlicher Spiegel, in dem wir uns sehen können, wie wir sind. O bitte, sagen Sie mir eine Grobheit!“