„Ich kann nicht. Ich kenne Sie nicht näher.“

„O, so kennen Sie auch Paris nicht näher. Wie ist das nur möglich, daß man Sie hier nicht geliebt hat? In Paris wird jedermann von irgend jemand geliebt. Sogar die Soldaten haben ihre Mädchen. Wie konnte es geschehen, daß unsere hübschen Kinder und nun gar unsere Frauen bei Ihnen noch nicht für Paris gebeten haben? Sie mußten doch einen Schatz haben? Oder mehrere? Zuviele wohl gar?“

Ach, mein guter Großvater hatte in Paris noch keinen Schatz, trotzdem, daß er Sergeant war. Er hatte sich immer eine mit recht lichtem Angesicht gewünscht und die gab es dort nicht; denn es mußte ein einziger Sonnenschein sein. Die Augen der Pariserinnen sind zwinkernde Sternlein bei Nacht über verstohlenen Gassenwinkeln; sie locken um die Ecke. Mein Urahn Primus ging immer geradeaus.

Das sagte er ihr; freilich in der viel besseren Sprache, die mein ehrlicher Urgroßvater sprach.

„Ja mein Gott,“ sagte Blanchefleure, „wie soll man's Ihnen recht machen? Ich hätte es vielleicht versucht, aber ich bin verheiratet.“

Da hob der arme Primus seine verwunderten grauen Augen empor, um sich einmal hinter all den erstaunlichen Dingen, Seide, Straußenfeder, Reifrock und dem vergoldeten Schnörkelstuhl das Frauenzimmer anzusehen, das dahinter steckte und also sprach. Und er schaute tief, ehrlich und ahnungslos in ein zärtliches, leuchtendes Gesichtlein voll ungetrübter Freude an der hübschen Opernszene, die es da hervorgeplaudert hatte.

Er wurde ganz traurig, daß sie schon verheiratet war. Denn sie war wirklich ein einziger Sonnenschein.

„Sagen Sie denn gar nichts?“ bat Blanchefleure.

„Krüzigts Herrgöttli,“ staunte der arme Primus. „Die hättets just mit mir versuchen wollen?“

„Wie?“ fragte sie belustigt.