Mein Großvater drehte den runden Hut in den Händen und kämpfte den schwersten Kampf seines Lebens. Sein wackeres Schweizergemüt lag ganz und gar in der Frage, wieviel Lohn er bekommen sollte. Zweimal setzte er an, schaute in das Sonnengesichtlein und brachte die Geldfrage, die einzig ehrliche in der Welt, nicht über die Lippen. Rundweg sagte er zu.
Sogar die Schweizer Rechenkunst hatte er in dieser süßen Audienz verlernt.
Er war in einer Viertelstunde verdorben worden, zu Paris, am 1. Mai des Jahres 1789.
Es war ein Glück, daß er niemals nach La Réole kam. Dort wäre eine stille Tragödie über ihn hinweggeschritten, an der niemand Freude gehabt hätte, als Madame Blanchefleure.
Die abscheulich große Revolution verhinderte Madames reizenden kleinen Plan.
Herr Marquis Massimel de la Réole de Courtroy genoß die chevalereske Ehre, daß ihm unmittelbar nach Seiner bequemen Majestät der Kopf abgeschlagen wurde, welcher Umstand ihn trotz aller Zweifel der Spötter das Leben kostete, — womit ein tiefer Beweis für die Gleichheit aller Menschen erbracht war —: und das wollte die Revolution.
Madame Blanchefleure wurde trotz der süßesten Tränen mit hundert Freunden und Freundinnen des goldenen Gnadenbrunnens von Versailles zur Untersuchungshaft in die Keller des Temple eingeschlossen, wo außer unglaublich zahlreicher Adelsgesellschaft das erfolgreichste geistige Frankreich versammelt war: Professoren, Akademiker, Modemaler und entzückende Dichter. Das erlesenste Frankreich. Ein Heer von guter Geburt, von Karriere, gefährlicher Herrschaftskunde, aber auch (wenn die Revolution Augen für so etwas gehabt hätte) eine Versammlung fast sämtlichen in Frankreich zurzeit aufbringbaren Geistes, von Grazie, Lebensart, feiner Liebenswürdigkeit und göttlicher Lebensüberlegenheit.
Es war ein leuchtender Sieg über den Nationalkonvent, wie man sich hier unterhielt und wie man sterben ging. Da war Madame Blanchefleure nun zu Hause wie ein Schmetterling, den man bloß aus kalter Wintersnot ins Gewächshaus gebracht hätte. Sie war der Stolz, die Erhebung und das Entzücken der gesamten Adelswelt, welche hier das Unglaubliche zuwege brachte, mit graziöser Heiterkeit mutig zu sein, — was sonst wenigen gelingt. Der Todesmut verwandelt den gewöhnlichen Menschen immer gleich in eine Tragödienfigur. Jene feinst konstruierten Leute aller Zeiten aber blieben beim geliebten Lustspiel. Sie starben stilgerecht, en rococo, wie sie gelebt.
Und nun mein Urahn Primus Thaller!