Auch der kleinen Zofe Despinetta, so übermütig sie ist, hat er solche sehnsüchtige Töne gegeben, die wie geängstigte Lerchen über die abendlich verdunkelte Welt in das Sonnenreich hinaus wollen.

„Bruder Wolfgang,“ mahnte Gilovsky, „hast du nicht einen Geheimverein gründen wollen, mit dem Namen ‚Die Grotte’? Einen Verein, in dem der Ernst des Lebens wie ein unterirdisches Wasser unter den Wiesenflächen der Sonne raunt und murmelt? Ich wüßte dir Mitglieder — — — —“

„Da muß ich dir gestehen,“ sagte Mozart, „daß wohl im Grunde meines Wesens der Widersacher stets eine Unterstimme hat. Aber der Gedanke mit der Grotte entstand nur aus der Angst, die unsereins, vom Menschenvolk, hat, sich nicht bestätigt und bekräftigt zu fühlen. Siehst du, lieber Gilovsky, man wünscht sich Mitschuldige. Aber freilich, wenn man dann einen sieht und hört, dann erschrickt man vor ihm und vor sich selber.“ — Und er lächelte: „Ich werde allein bleiben in meiner Grotte.“

„Das ist,“ rief Gilovsky unwillig, „weil du für nichts anderes ein Herz hast, als für deine Noten!“

Und er sprach weiter von London und Paris und wiederholte, daß ihm die düsteren Gassen, die Unzufriedenheit als Seele aller Menschengröße tausendmal geliebter sei als alles Te Deum laudamus.

Mozart aber, das Kind, in welchem das Ja sonst lebendiger war als das Nein, schwieg mit bangem Herzen. Denn zwei gleich starke Mächte standen vor ihm und schauten ihn aus großen Augen an.

Er versuchte unter diesem Blicke abzulenken und spähte in die Ferne, wo, in den Buchenwäldern des Kahlenberges, des Todes festlich rot und gelbe Fahnen wehten; darüber lächelte der begütigt blaue Himmel. —

Wieder die beiden Mächte. Sie standen vor ihm und schauten ihn an.

Da schüttelte der geplagte Wolfgang Amadé die gepuderten Locken, daß der Zopf die Schultern schlug und ein leises Reismehlwölkchen im Herbsthauch davonflog. Er schüttelte sich wie ein Rößlein, das Bremsen verjagen möchte.

„Ein Glas Wein, Bruder,“ rief er dann. „Lassen wir jedem das Seine und vereinigen wir uns. Ich will vergessen, du mußt es. Ein Glas Wein, hier, vor diesem Häuschen? Wie schön winkt es uns zu!“