Gilovsky schüttelte den Kopf: „Du Leichtsinn! Du Leichtsinn!“

Sie blieben vor der kleinen Heurigenschenke stehen. Das letzte Häuschen von Währing. Eigentlich zwei aneinandergebaute; sie standen unter einem Dache. Links eine Wirtshaustür mit dem Föhrenzweigbüschel, des Herrgotts Zeigefinger, daß hier heuriger Wein zu haben sei. Zwei laubüberfallene Tische im Freien, eine vormittagstille Wirtsstube. Rechts eine Gärtnerei, und des Hauses ganze Hälfte überhangen mit Kränzen für Allerheiligen. Tiefblutviolette Blattkränze oder welschkorngelbe Reifchen, in denen mit schwarzen Samenkörnern eingefügt stand: Ruhe sanft. Die Astern, die Enterbten des Sommers, hatten hier ihren Beruf gefunden, und was sonst noch von der kinderfroh stehenden Schar der Blumen den Herbst überdauert hatte, alles war hier als Trödelkram des Totenfestes in Kränzen zusammengeschnürt.

Abermals standen vor ihnen die beiden gleichstarken Mächte und schauten sie aus großen Augen an.

Wolfgang Amadé wehrte sich nicht mehr. Still und ergriffen trank er seinen Wein und sah die Allerseelenkränze an. Und Gilovsky saß neben ihm, — Ossians Gesänge und die Leitartikel der Pariser Winkelzeitungen wildbunt in einem Herzen zusammengepreßt.

„Wird dein blaßwangiges Elend voll Druck und Haß jemals bis in diese Einsamkeit der Blumen und Reben heraufgreifen?“ fragte Mozart.

„Die neue Zeit wird ihre Hand auch um diese Vergessenheiten schließen. Es wird eine Welt kommen, in welcher selbst die Armut Geist und Seele haben wird.“

„Ich sehne mich,“ sagte Mozart, „mit zerspringendem Herzen nach jenen, welche sich in dieser neuen Zeit nach mir sehnen werden!“

Dann trank er rasch und viel von dem neuen Weine, der ihnen vorgesetzt worden war, und sprach den ganzen Tag kein vernünftiges Wort mehr.

Gilovsky trennte sich bald von ihm. 's ist ein Musikant, dachte er im Fortschreiten; die Harmonie ist ihm wichtig und die endliche Auflösung in Reinheit und Einheit notwendig. Niemals wird er den Sturm, die Zerstörung und den Haß erkennen, welche viel notwendiger sind.