„Sie auch, Madame?“ Und Johann Georg Freiherr von Hirschbach übersetzte sich, seinen Namen und Titel ins Französische und stellte sich vor.
„Ei, Herr Baron. Und Ihr Alter?“
„Vierundzwanzig.“
„Nur?“ sagte die schöne Dame bedauernd. „Ich bin schon zwanzig. Ich habe auch schon sehr viel erlebt, denn ich bin Witwe.“
„Ach, gnädigste Frau,“ rief der gute Georg in vorwurfsvollem Bedauern.
Sie erzählte kurz und ruhig ein wenig von ihrem Mann, der sehr alt, sehr elegant und graziös gewesen war. Herr Vicomte de Maintignon. Sie selbst heiße Dorette. Der Vicomte war stets leise parfümiert, stets zärtlich, von immer gleich gelassener Heiterkeit, zeigte es nie, wenn er krank war, liebte die Fröhlichkeit und sagte ihr einmal sehr unvermittelt: „Mein Kind, lebe lang und amüsiere dich,“ neigte sich danach hinten in seinen Stuhl und starb lächelnd, die letzte Prise Schnupftabak noch in der herabsinkenden Hand, welche von den zierlichsten Manschetten umrahmt war, die man in jenem Jahre trug.
Der junge Hirschbach stieß einen leisen Ruf der Hochachtung vor solcher Kultur aus und meinte, daß er selbst sich wie ein Wilder vorkäme. Die Dame lächelte und die weitere Fahrt ward sehr angenehm, da der junge Thüringer sehr schnell seine Scheu verlor. Es war das die Schuld ihrer Stimme; früher, beim Betrachten ihrer klar geschwungenen Linien hatte er eine metallkühle, klavierharte Altstimme von ihr erwartet. Aber nein. Ihr Organ war weich, verdeckt und zutraulich; nicht hoch, aber warm.
Als zwei gute Freunde kamen sie in Patmos an und brachten den Kammerdiener des leichtfertigen Grafen in siedend heiße Verlegenheit. Es stand nämlich nur mehr ein Mansardenzimmer frei.
Die beiden unten im Flur hörten die Stimme des sorglosen Landry auf dem Balkon über der Einfahrt, von dem er ihnen schon entgegengewinkt hatte: „Aber dieses Mansardenzimmer hat ohnehin zwei Betten!“
„Gewiß,“ zögerte der Kammerdiener, „jedoch Madame de Maintignon und dieser junge Deutsche ...“