Erst die abgeschlagenen Köpfe machten Zeitungen notwendig.

Und während der junge Hirschbach in tiefer Bewegung von der Erstürmung der Bastille las, zupften die Damen in der Langeweile der grauen Regentage Goldscharpie. Es war das ein beliebter Zeitvertreib und zugleich eine angenehme Gelegenheit für junge Mädchen, sich ein kleines Nadelgeld zu schaffen. Jeder Herr hatte die Pflicht, alle Goldtressen von veralteten Garderobestücken letzter und vorletzter Mode an die Freundin abzuliefern, und den ganzen Tag über zerrten die kleinen Händchen an den feinen Golddrähten und häuften ganze Hügel von der edlen, graulich gekräuselten Metallwolle, aus der die hellgebliebenen Fädchen blitzten, wie feine Kinderhaare.

Georgs Erzählung von der Erstürmung der Bastille erregte nur lebhafte Genugtuung.

„Ach Gott,“ sagte Dorette, „nun endlich können diese Ärmsten auch etwas modern werden, und den Wald und das Land genießen.“

Die schöne Heloise schluchzte vor Rührung, und die Herren applaudierten vor Freude über die vielen erlösten Opfer der Tyrannei.

Als ihnen dann Georg von den Aufständen der Bauern, von erstürmten Schlössern, von Adelsmorden und rauchenden Feudaltrümmern erzählte, meinten sie allesamt: „Gott, müssen die es arg getrieben haben, daß sie den gutmütigen Landmann so schwer zu reizen vermochten!“

„Und Sie, Chevalier,“ fragte Georg den guten Landry, „fürchten Sie denn nichts?“

„Mein Gott, ich tat doch niemandem etwas,“ lächelte der glänzende Seigneur beruhigt, „und überdies muß man mit den Tugenden der Menschen rechnen.“

Als zu Paris die Menschenrechte verkündigt waren, gab man den Bauern der Gegend ein prachtvolles Fest mit Feuerwerk und warf nach dem Gelage Konfekt, Obst und Geld zum Fenster hinaus unter das Volk.

Georg war nicht beim Bankett. Er beobachtete das Bauernzeug, das sich um den Abfall der übermütigen Tafel balgte.