„Da Sie mir das Wort eines Edelmanns verpfänden, nun denn, kommen Sie, mein Freund.“

Dorette in ihren Kissen, den Arm auf dem Herzen, im milden Rot der Ampel war schöner als je, und schluchzend fiel der arme Junge vor ihrem Lager auf die Knie.

„Ach, Madame, ich liebe Sie derart, daß es mich verbrennt und auffrißt; und Sie, Sie machen sich gar nichts aus mir. Sie sehen mich wie einen Knaben an und darum, ja nur darum lassen Sie mich auch hier sein. Was ist es, das Sie so kühl gegen mich sein läßt!?“

„Sie sind so unmodern, wenn Sie erlauben, daß ich eine so schwere Sache ausspreche,“ seufzte Dorette und sah die Amoretten und Schäfer auf dem Plafond an, die sich geradezu frei benahmen.

„Aber Landry ruft mich doch als neueste Mode aus.“

„Ja, das ist im Wald und auf der Flur. Aber im Salon, mein Lieber! Diese drei Wochen Regen taten Ihnen sehr viel Schaden. Ich hätte Sie fast ein wenig lieb gewonnen, weil es wirklich schien, als seien Sie der Neueste des neuen Tages. Aber, mein Freund, Sie tragen eine Kleidung wie ein tüchtiger Kaufmannssohn, — die Locken sind nur lose gewickelt, das Haar zu schwach gepudert, und Sie erfinden eine Sprache, als ob die Académie française sich seit 1750 umsonst bemüht hätte; — eine Sprache voll altertümlicher Kraftworte, wie ein Musketier Ludwigs des Dreizehnten. Mein Freund, das tut man nicht. Sie kompromittieren geradezu mich.“

„Soll ich Sie denn wirklich jenem Vicomte Bareilles überlassen und mein Glück bei Heloise versuchen?“ verzweifelte Hirschbach.

Dorette stützte sich plötzlich auf den schönen Arm und sah ihn tief und reizvoll an. „Wenn Sie es vermögen?“ sagte sie mit dunklem, warmen Ton.

Nun warf der Ärmste alle Fassung von sich, drückte den heißen Kopf, der voll tobender Gedanken war, gegen die Decke seiner Freundin und begann haltlos und erbärmlich zu weinen.

Sein Schluchzen und sein Zucken durchrieselten Madame als ein ungeheures Kompliment. Sie hatte einen Hauch, eine Ahnung von Zärtlichkeit für diesen Jungen, und sein Schmerz tat ihr unendlich wohl.