Dorette hatte die Arme sinken lassen, als die reizenden Freundinnen sich ihres Kameraden bemächtigten und hatte untätig und lächelnd zugesehen. Nun bekam sie den ersten, verlegenen Blick des Beraubten, der über die Gnade der jungen Damen sehr glücklich schien. Lang schaute sie zu ihm hinüber mit willenlos gesenkten Armen.
Dann sagte sie nach tiefem und langsamem Atemzug: „Es ist Ihr Schicksal, mein Herr Baron, schlicht zu bleiben, in alle Ewigkeit.“
Und wahrlich, der Baron von Hirschbach blieb fortan schlicht und gut. Er verehrte die klare Dorette, die vor aller Augen als seine Geliebte galt, fortab so keusch und gefaßt und demütig, wie es kaum ein deutscher Herr in den blumenreinen Tagen des Herrn Walter Vogelweide vermocht hätte. Er bewachte ihren leichten, leisen Atemzug, wenn sie schlief, und war in entlegenster Waldeinsamkeit wie ein goldenes, zutrauliches Kind mit ihr.
Keine Bitte sagte er mehr und träumte auch keine. Sie war ihm durch ihre verständigen Worte tief heilig geworden: „Es ist Ihr Schicksal, schlicht zu bleiben.“
Die ganze Gesellschaft amüsierte sich also köstlich an ihrem Naturburschen. Er aber, nachdem es ihm mißglückt war, einem hochbegnadeten Adel die Augen für den trotzigen Blick der Bauern und die Ohren für das unterirdische Volksgrollen zu öffnen, versuchte ihnen die Schönheit der ewig jungen Wiese und des ernsten, greisen Waldes, des seelenvoll bewegten Wassers und der ambrosischen Wolken zu erschließen.
Aber es verstanden ihn fast nur Heloise und Dorette. Heloise brach zumeist in Tränen aus, und Dorette schwieg lächelnd, aber ihre kleine Seele wuchs und wurde ernst und nachdenklich.
Dann, an einem Herbsttage bekam der Chevalier Landry einen sehr unerwarteten Brief.
Dieser Brief war von seiner Gattin aus Paris verfaßt, die dort, zum eignen Amüsement und dem ihrer Freunde, zurückgeblieben war. Herr von Landry hatte diese, seiner würdige Gattin seit der Halsbandgeschichte der Königin, seit über drei Jahren also, nicht gesehen!
Madame Landry schrieb, sie fürchte sehr, ihrem Herrn Gemahl ein Geständnis zuflüstern zu müssen. Was Herr von Landry darüber denke?