„Leider nein,“ sagte ihr Freund wortkarg und ernst. „Wir werden bald ein etwas wahrheitsgetreueres Spiel durchzumachen haben.“

Vom Schlosse her drang unbestimmter Lärm. Es war, als trampelten zahlreiche Menschen durch die Korridore.

„Sie wollen sich doch nicht schießen!?“ schrie Dorette.

„Still,“ herrschte der Thüringer.

Im Schlosse wurden erregte Stimmen laut, dann Hilferufe.

Die Darsteller des Schäferspieles, die der Terrasse näher standen, scharten sich zu einem Klumpen und schrien ihren Zuschauern Warnungen hinauf. Aber als ob sich die wunderlich verschnittenen Bux- und Taxusgetüme plötzlich in lebende Wesen verwandelt hätten, sprangen aus dem Dunkel des Parks Hunderte von brüllenden Bauern auf die kleine Gruppe los. Dorette sah, wie der Vicomte von Bareilles nach einem Degen lief, jedoch nur, um ihn mit elegantem Achselzucken einem Lümmel zu überreichen, der dies Zeichen ritterlicher Ergebung mit einer immensen Maulschelle beantwortete.

Zwei ältere Herren und jener geistvolle Junge, der Tacitus und Anakreon kannte, waren die einzigen, die sich in elegante Fechterstellung warfen; aber im Nu waren ihre Degen zerknickt, und Prügelei und Roheit wären bis zum Totschlag angewachsen, wenn nicht über einen dieser Bauern, die im Parterre die Schauspieltruppe mißhandelten, starke Angst gekommen wäre, daß ihre tapferen Freunde, die das Schloß erstürmt hatten, ihnen alle schönen Dinge wegplünderten.

Er schrie: „Halt, halt! Die andern sind schon drin und stehlen uns alles vor dem Maul weg!“ Seine Kumpane brüllten laut auf vor Zorn und Angst, und nur einige verzweifelte Schlaumeier trieben die ganze Adelsgesellschaft: Damen, Herren mit ritterlicher Verteidigung und Herren mit ritterlicher Übergabe, wie eine Herde Schafe hinweg, um ein erfreuliches Lösegeld von ihnen zu erpressen. Sie wußten, diese Leute hatten mehr Geld bei ihren Bankiers als in den Strümpfen verwahrt.

Inzwischen half Georg der fassungslosen Dorette sehr tatkräftig beim Umkleiden.

„Schnell in die Bauernkleider,“ rief er; und weil der Reifrock nicht sofort von den Hüften seiner Dame glitt, half er mit dem Hirschfänger nach. Sein ganzer Haß gegen das Gezücht der Reifröcke, deren sechs ihm so lange Zeit das Glück versperrt hatten, erwachte. Knack und ach, krachte das Fischbein, und umsonst schrie die weinende Dorette in Zorn und Weh über ihr Prachtstück. Sie mußte in ein Elsässerinnenkostüm hinein, und Hans Georg riß sie eilig mit sich.