13. Achim von Arnim
ist ein sehr bedeutendes Talent, aber er hat sich gewissermaßen reflectirt, mit bewußtem Vorsatz zum Dichter gemacht; zuerst studirte er Naturwissenschaften, die er dann aber aufgab. Diese Willkürlichkeit geht durch alle seine Dichtungen hindurch. Er arbeitet fast planlos; er schachtelt Anekdoten und Episoden ein, die ihn gerade im Augenblicke ansprechen, ohne sich um das Ganze zu kümmern. Er spielt mit den Dingen, seine Poesie bekommt so den Charakter des willkürlich Gemachten. Oft zieht er im Augenblicke an und weiß zu interessiren, aber ebenso oft stößt er auch wieder ab durch das Willkürliche und Bizarre, was ihm eigen ist, z. B. in seiner „Gräfin Dolores“. Der Gesammteindruck seiner Dichtungen muß daher zuletzt ein ungünstiger sein.
14. Brentano
ist dagegen gewiß noch talentvoller; er hat eine tiefe und wahrhaft dichterische Ader, nur ist es zu bedauern, daß auch er eine falsche Richtung einschlug, die ihn zum Diffusen, Willkürlichen und Sonderbaren geführt hat. Einzelnes von ihm ist vortrefflich; die „Chronik eines fahrenden Schülers“ und „die Geschichte des Philisters“. Das Lustspiel „Ponce de Leon“ hat viel Witz, ist aber doch zu breit. Die „Geschichte der mehreren Wehmüller“ hat er mir selbst vorgelesen, aber ich habe keinen Geschmack daran finden können.
Mit beiden, Arnim und Brentano, habe ich im Leben manche persönliche Berührung gehabt, und sie fühlten sich, besonders in früherer Zeit, durch Manches in meinem Wesen angezogen. Wirklich stimmten wir in einigen Punkten überein. Dennoch ist immer etwas Fremdes zwischen uns geblieben, und dichterisch habe ich mich von beiden stets fern gefühlt. Es fehlte ihnen eines, was bei mir von der Poesie unzertrennlich ist, der reine und wahre Sinn für die Natur und das Natürliche. Bei ihnen kommt sie immer als etwas Reflectirtes und Gemachtes heraus; es scheint als sei es ihnen nicht rechter Ernst mit der Sache, als sei es ein Spaß. Man hat das Gefühl, als wenn sie es auch ebenso gut lassen könnten.
15. Z. Werner
war auch begabt, aber ein ganz verschrobenes Talent, das sich in die verkehrte Richtung immer tiefer hineinarbeitete. Nachdem Goethe seinen „Vierundzwanzigsten Februar“ gewissermaßen anerkannt hatte, überschätzte er sich sehr. Das beste Werk ist „Die Söhne des Thals“ geblieben, obgleich es auch hier an Sonderbarem nicht fehlt. Alles Spätere ist auf eine verkehrte Weise mystisch und verworren, und wird dadurch unerträglich. Persönlich habe ich den sonderbaren Mann niemals kennen gelernt.
16. Zschokke
In meiner Jugend war Zschokke, der selbst noch ein junger Mann war, ein unermüdlicher Vielschreiber für Theater und Leihbibliotheken; damals entstand sein vielgenannter „Abällino“. Später verwarf er alle seine frühern Sachen, den „Abällino“ aber arbeitete er gar in Trochäen um, und schickte ihn mir zu. Es ist aber auch so noch ein höchst schlechtes Machwerk. Seine größern Romane sind schwach; aber die kleinere Erzählung ist seine Sphäre. Er erzählt gut und leicht, bisweilen sogar anmuthig und nicht ohne Humor. Er ist überhaupt ein leichtes und bewegliches Talent, aber kein tiefes. In den verschiedensten Gattungen findet er sich bis auf einen gewissen Punkt zurecht, und weiß es auch dem Publicum recht zu machen. Auch ist er ja Geschichtschreiber. Und wie eifrig sind nicht eine Zeit lang seine „Stunden der Andacht“ gelesen worden! Man wollte es nicht glauben, daß der Verfasser dieses Erbauungsbuches auch den berüchtigten „Abällino“ geschrieben habe.