17. Hoffmann

war eine merkwürdige Erscheinung; ein kleines unruhiges Männchen mit dem beweglichsten Mienenspiel und stechenden Augen. Er hatte etwas Unheimliches, und fürchtete sich zuletzt selbst vor seinen eigenen Gespenstern. Die Dichtung ist bei ihm zur Caricatur geworden, und obgleich er manches gut zu erzählen weiß, sind seine Erzählungen doch fast alle fratzenhaft.

18. Immermann

Immermann’s erstes Auftreten war ein sehr bescheidenes; aber er war eine Natur, die in ununterbrochener Entwickelung begriffen war, und bei weiterm Fortschreiten kam er bald zum Bewußtsein seines Werthes. Eine rasche Umwandlung ging mit ihm vor. Es war aber auch wirklich eine höchst bedeutende und starke Kraft, dies drückte sich in seinem ganzen Wesen aus. Er hatte etwas Entschiedenes und Männliches. Er urtheilte scharf und herbe, ja er konnte schroff, bitter und ingrimmig erscheinen. Kaum hat sich Jemand mit dem Theater soviel beschäftigt als er. Er dichtete für dasselbe, schrieb darüber, und leitete eine Zeit lang das Theater in Düsseldorf. Hier machte er allerlei anerkennenswerthe Versuche, aber mit allem Eifer konnte er die Sache doch nicht halten. Merkwürdig ist dabei, daß er niemals ein Stück geschrieben hat, welches ganz bühnengerecht wäre. Kaum eines seiner Dramen kann so aufgeführt werden wie es ist. Dies sah er selbst ein und änderte daher viel, z. B. sein „Trauerspiel in Tirol“, dessen erste Bearbeitung viel Sonderbares enthält; so die Geschichte mit Hofer’s Schwert. „Kaiser Friedrich“ ist zu gedehnt und bleibt wirkungslos. Das beste ist wol der erste Theil desAlexis“, obgleich auch hierin Manches hart und spröde ist, woran auch sonst seine Verse leiden. Der Epilog „Eudoxia“ hat vielen Beifall gefunden; mir ist er immer fremdartig geblieben, und ich habe den gewaltigen Eindruck nicht empfunden, den Andere ihm nachgerühmt haben. Für mich sind auch die Trimeter störend. Wir dachten daran den „Alexis“ in Dresden zur Aufführung zu bringen, mußten es aber aus andern Rücksichten aufgeben. In seinen letzten Lebensjahren hat sich Immermann am bedeutendsten entwickelt. Sein „Merlin“ ist eigenthümlich und tiefsinnig, und wirklich Ausgezeichnetes hat er im „Münchhausen“ geleistet. Dieser übertrifft die „Epigonen“ bei weitem, in denen doch auch manches Gute ist. Die Dorfgeschichte ist durchaus vollendet, und im humoristischen Theile ist vieles vortrefflich und von der höchsten Wirkung. Ohne Zweifel ist es der beste Roman unserer neuesten Literatur. Immermann’s früher Tod ist sehr zu beklagen; er würde gewiß zu noch viel Höherm gekommen sein.

19. Platen

Platen hat mich immer kalt gelassen. Seine Verse werden gerühmt, und sie sind auch vortrefflich gebaut, und dafür hat er ein wahres Talent. Aber was er in diesen Versen gibt, ist doch nur mittelmäßig; in so anspruchsvollen Versen vermißt man den tiefern Inhalt am ersten. Aus seiner ganzen Poesie hört man immer die Selbstüberschätzung heraus. Besonders schwach sind seine Dramen; sie sind trocken und dürftig, es fehlt ganz an eigentlicher Composition. Er will sich nach den Alten gebildet haben, und glaubt Shakspeare tadeln zu können, den er gar nicht einmal versteht.

20. Heine

Welches Reden hat man in der modernen Literatur nicht von Heine gemacht! Seine Bewunderer haben nur ihre Unwissenheit gezeigt, daß sie unsere ältere, wahre, tiefe Literatur nicht kennen. Das beste, was er geben kann, ist nichts Neues, es sind Nachklänge Goethe’s in einzelnen seiner Lieder. Aber sonst welche Suffisance und gemeine Ironie! Und welche Eintönigkeit! Es ist immer wieder das alte Lied! Was soll man nun gar erst zu der Armseligkeit seiner Nachahmer sagen!