Auch in früherer Zeit hat es nicht an Lehrern einer solchen falschen Erziehung gefehlt, zu ihnen gehörte namentlich der steife und pedantische Campe, der ja gar Kinderbibliotheken herausgegeben hat, die mir wegen ihrer Altklugheit, Nüchternheit und Eitelkeit stets verhaßt gewesen sind. Mit welcher Wichtigkeit werden hier nicht die Kinder behandelt, welche Muster werden ihnen aufgestellt, und welche Tugenden angepriesen! Besonders die verwünschte Wohlthätigkeit! Wenn einmal ein Kind sein Butterbrot einem Armen gegeben hat, welch ein Aufheben wird nicht von einer solchen Wohlthat gemacht, und welch eine Meinung wird dadurch nicht dem Kinde von sich und seiner Tugend beigebracht! Als ich einmal in Braunschweig Campe’s Tochter Lotte sprach, zeigte sie mir die A-b-c-bücher ihres Vaters, und pries die Kinder glücklich, welche daraus lesen lernten und danach erzogen würden, welche herrliche und ausgezeichnete Menschen sie werden müßten!
Die falsche Humanität ist ein Zeichen unserer Zeit. Man hat die zärtlichste Sorgfalt für Verbrecher, die es in ihrem Gefängniß viel besser haben als der redliche Arme. Man zieht sie der Gesellschaft groß, statt diese durch einen raschen Proceß davon zu befreien. Das Hängen in England ist so übel nicht. Die freigelassenen Verbrecher beginnen ihr Treiben nur mit um so größerer Schlauheit. Eigenthümlich ist es, daß sich die Gesellschaft dabei immer auf ihre Seite stellt, aber die Selbstvertheidigung des ehrlichen Mannes, der durch einen Dieb angegriffen wird, wird hart bestraft.
Auch die Gewerbefreiheit, die man so gepriesen hat, gehört zu diesen modernen Erfindungen. Nicht die Zünfte hätte man aufheben sollen, aber den verkehrten Zwang, der in ihnen herrschte. Sie waren eine sehr gute Einrichtung, und konnten reformirt werden. Durch das heutige Verfahren werden Pfuscher und Stümper begünstigt und das frühe Heirathen befördert. Unreife Gesellen und Burschen, die ungeschickt und unwissend sind, fangen ihren eigenen Kram an, heirathen Köchinnen auf 30 Thaler, setzen eine Menge Kinder in die Welt, und fallen nachher dem Staate zur Last. Wo soll das hin?
Wie man die Emancipation der Juden fordern kann, ist mir unbegreiflich. Durch ihr Gesetz sind und bleiben sie mitten unter uns fremd; sie können sich nicht nationalisiren. Unmöglich kann man einem ganz fremden Volksstamme dieselben Rechte einräumen wie dem eigenen! Würde man es denn z. B. mit einer Negercolonie thun, wenn eine solche unter uns wäre? Was die Juden von moderner Bildung angenommen haben, ist nur äußerlich; und die meisten von ihnen, wenn sie aufrichtig sein wollten, würden bekennen müssen, daß sie sich für viel besser halten als die Christen. Ueberall drängen sie sich heute ein, überall führen sie das große Wort. Wenn das so weiter geht, werden wir am Ende nur noch eine geduldete Sekte sein.
Fortschritt ist auch eins von den vielen unverstandenen Stichwörtern. Was ist denn Fortschritt? Vieles, was als solcher gepriesen wird, ist Rückschritt. Geht die Menschheit auch nicht absolut zurück, so kann es doch scheinen als drehe man sich im Kreise herum. Gewiß ist es in vieler Hinsicht besser geworden. Man hat unendlich viel Entdeckungen gemacht in Technik, Mechanik, Chemie u. s. w., aber sind die Menschen im Allgemeinen darum besser oder auch nur klüger geworden? Vielmehr entschwindet der Geist auf der andern Seite. Diese Art des Fortschritts ist am Ende nur ein mechanischer, und ich hoffe er soll noch so weit gehen, daß ein jeder seine Miniaturlocomotive in der Westentasche bei sich tragen kann, die ihn ins Unendliche führt. Es scheint einen tiefen Grund zu haben, daß eine Entwickelung nach dieser mechanischen Seite hin jene andere tiefsinnige und productive auf dem Gebiete des reinen Geistes und Charakters ausschließt. Was man auf der einen Seite gewinnt, verliert man auf der andern, und es ist die Frage, ob es bei der Eigenthümlichkeit des Menschen anders sein kann.