[S. 125.] Die charakteristischen Züge aus dem Schulleben Gedike’s, des pädagogischen Reformators, die mitgetheilt worden sind, hat Tieck in einer Zeit, da er selbst noch dessen Schüler war, mit Schärfe und Sicherheit aufgefaßt. Es wird nicht ohne Interesse sein, diesem Bilde das andere gegenüberzustellen, welches der Lehrer von dem Schüler entwarf. Gedike pflegte eine ausgeführte Censur der zur Universität abgehenden Schüler in dem Programm des Gymnasiums abdrucken zu lassen. Er legte Werth darauf, weil er andeuten wollte, was das Vaterland von seinen herangebildeten jüngern Mitbürgern zu hoffen habe. Waren diese Zeugnisse bisweilen pathetisch breit, so waren sie auch oft Beweise pädagogischen Scharfblicks. In den Programmen des Werderschen Gymnasiums von 1789–92 findet man in dieser Weise die Charakteristiken Tieck’s und aller seiner Jugendgefährten. In der Auffassung mancher Charaktere, z. B. Toll’s, Burgsdorff’s, Piesker’s, stimmen Lehrer und Schüler in überraschender Weise überein. An dieser Stelle mögen die Charakteristiken Tieck’s und Wackenroder’s folgen, wie sie sich in dem Programm für 1792 finden.

Wenn Wackenroder in günstigerm Lichte erscheint, so spricht sich darin die eigene Stellung aus, die jeder von beiden seinem Director gegenüber eingenommen hatte. In der Kälte und Trockenheit, mit der Tieck’s Censur abgefaßt ist, mag eine Erinnerung an die mancherlei pädagogischen Kämpfe liegen, zu denen er herausgefordert hatte. Daß aber seine Bildung schon damals eine allgemeine, und doch eigenthümliche war, muß auch dieses Zeugniß zugestehen.

Johann Ludwig Tieck, aus Berlin, 19 Jahr alt, neun Jahre Gymnasiast, und seit vier Jahren ein Mitglied der ersten Classe. Er hat gute Fähigkeiten, und er hat sich durch seinen bei aller Einseitigkeit unverkennbaren Fleiß in mancher Rücksicht sehr gute Kenntnisse erworben, besonders hat er seinen Geschmack gut ausgebildet. Sein Betragen war lobenswerth. Er wird in Halle Theologie studiren.“ Vgl. „Programm des Friedrich-Werderschen Gymnasiums“ von 1792, S. 51.

Wilhelm Heinrich Wackenroder, aus Berlin, 19 Jahr alt. Ein hoffnungsvoller Jüngling, der seit sechstehalb Jahren unser Gymnasiast, und seit vier Jahren ein Mitglied der ersten Classe gewesen. Sein regelmäßiges, bescheidenes und gesittetes Betragen hat ihm ebenso sehr als sein rühmlicher und glücklicher Fleiß den Beifall aller seiner Lehrer verschafft. Er hat seine guten Fähigkeiten in jeder Rücksicht sehr gut ausgebildet, und sich sowol in Wissenschaften als Sprachen, besonders auch in der griechischen, sehr gute Kenntnisse erworben. Ueberhaupt hat er alle Anlagen und Vorkenntnisse, um einst ein gründlicher, gelehrter und geschmackvoller Jurist zu werden.“ Ebendas. S. 51.

[S. 126.] „Sternbald’s Wanderungen“ „Schriften“, XVI, 197.

Zweites Buch.

[S. 137.] Eine Charakteristik Wiesel’s, dieses sonderbaren Menschen, der zuletzt ein Freund und Schützling Adam Müller’s war, hat Varnhagen gegeben in seinen „Denkwürdigkeiten“, VI, 265.

[S. 148.] Lichtenberg’s Erklärung der Hogarth’schen Kupferstiche erschien zuerst im „Göttingischen Taschenkalender“ in den Jahren 1779–94.

[S. 161.] Es ist in der neueren Kunstkritik anerkannt, daß die Madonna in Pommersfelde, welche die Freunde, der damals allgemeinen Ansicht folgend, für einen Rafael hielten, von Antonio Solario gemalt ist.