[S. 253.] Ueber Tieck’s und Fichte’s erste Berührungen vgl. „Fichte’s Leben und Briefwechsel“, I, 373.
[S. 255.] Die „Vertrauten Briefe über Friedrich Schlegel’s Lucinde“ waren Verlag von Frommann’s Schwager Bohn in Lübeck, gedruckt wurden sie in Jena bei Frommann und Wesselhöft.
[S. 257.] Die Wandlungen, welche Schiller’s ursprünglich günstiges Urtheil über Tieck seit dessen erstem Besuche erfuhr, bis es zu einer herben Verurtheilung ward, lassen sich stufenweise verfolgen durch Schiller’s Briefe an Goethe und Körner vom 24. Juli 1799, 26. Sept. 1799, 5. Jan. und 27. April 1801. Die drei letzten Briefe sind an Körner. Am 5. Jan. 1801 schreibt Schiller von Tieck: „Leider hat die Schlegel’sche Schule viel an ihm verdorben; er wird es nie ganz verwinden.“ Vgl. dazu sein Urtheil über Tieck’s „Minnelieder“ aus Falk’s „Elysium und der Tartarus“ in „Findlinge“ von Hoffmann v. F. „Weimarisches Jahrbuch“, II, 224. Ueber Tieck’s Einführung bei Goethe berichtet dieser mit einigen Worten an Schiller am 24. Juli 1799, und über die Vorlesung der „Genoveva“ in Jena am 6. Dec. 1799. Vgl. darüber auch Goethe’s Tages- und Jahreshefte, „Werke“, XXXI, 86.
[S. 267.] Wenn es in Tieck’s Vorbericht zu „Schriften“, I, S. XXXII, heißt, er sei im Juli 1801 nach überstandener schmerzhafter Krankheit nach Hamburg gegangen, so beruht diese irrige Angabe wol nur auf einem Druckfehler. Es ist das Jahr 1800 gemeint. Aus Tieck’s Correspondenzen ergibt sich, daß er um jene Zeit in Dresden war.
Drittes Buch.
[S. 274.] A. W. Schlegel’s „Literarischer Reichsanzeiger“ oder „Archiv der Zeit und ihres Geschmacks“ im „Athenäum“, 1799, S. 328.
[S. 275.] Tieck hat die Vision „Das jüngste Gericht“ in seine „Schriften“, IX, 339, in etwas veränderter Gestalt aufgenommen. Es fehlt hier das Verzeichniß der Personen, auf welche im „Zerbino“ mehr oder minder deutlich angespielt wird. Da der Dichter in dem Vorberichte zum sechsten Bande der „Schriften“, S. XXXIX fg., einen kurzen literarischen Commentar zum „Zerbino“ gegeben hatte, konnte er nunmehr jenes Verzeichniß streichen. Es findet sich „Poetisches Journal“, S. 245.
[S. 277.] Zu diesem und dem Folgenden sind zu vergleichen die literarischen Anmerkungen zum „Anti-Faust“ in „Tieck’s nachgelassenen Schriften“, I, 127 fg., und zu „Bemerkungen über Parteilichkeit, Dummheit und Bosheit“, ebend. II, 35 fg.
[S. 278.] Es scheint nicht unangemessen, an dieser Stelle auf die Kritik übersichtlich zu verweisen, welche Tieck’s Dichtungen in den verbreitetsten und namhaftesten literarischen Zeitungen erfuhren. Man wird daraus erkennen, daß man seine stechende dichterische Satire mit den Keulenschlägen prosaischer Grobheit reichlich erwiderte, und ihm wahrlich nichts geschenkt hat. Seine Indignation gegen dieses Geschlecht wird vollkommen begreiflich, wenn man sieht, daß keiner dieser Recensenten auch nur eine entfernte Ahnung von dem hatte, was er mit seiner Poesie wollte. Sie sind ihr gegenüber vollkommen rathlos, und möchten sie am liebsten für eine Tollhäuslerin erklären. Der Recensent des „Lovell“ in der „Neuen allgemeinen deutschen Bibliothek“, XX, 389, 1795, und XXXII, 154, 1797, wundert sich, daß der Verfasser, der selbst ein junger Schwärmer scheine, seinen Helden so unvortheilhaft auftreten lasse; dann meint er, dies Buch sei eine Beleidigung des guten Geschmacks, und das Beste daran der schöne neumodige Druck. Dagegen findet die „Geschichte Peter Leberecht’s“, die Nicolai’s vollen Beifall hatte, viel Gnade. „Deutsche Bibliothek“, XXIII, 526, 1796, und XXXII, 155, 1797. Hier wird dem Verfasser gesundes Raisonnement, ein feiner, geschliffener Witz, viel Laune und reife Menschenkenntniß zugestanden; während die „Jenaische Literaturzeitung“, 1797, Nr. 10, dasselbe Buch fade und gedehnt findet; der Verfasser sei sich auch seiner Kraftlosigkeit bewußt; Gedankenstriche oder weißes Papier würden besser sein. In der „Allgemeinen deutschen Bibliothek“, XXXVIII, 439, 1798, wird in der Anzeige von „P. Leberecht’s Volksmärchen“ dem Verfasser die Versicherung gegeben, er habe das Ideal nicht gescheidter Geschichten, wonach er eingestandenermaßen strebe, vollkommen erreicht. Ebendaselbst XXXIX, 340, wird der „Abdallah“ als ein Beweis dafür angeführt, daß sich Zaubergeschichten noch immer unverschämt in die Literatur eindrängen. Ebendaselbst XLVI, 329, 1799, kann der Mann von gebildetem Geschmack den „Sternbald“ nicht zu Ende lesen. Sternbald ist ein frömmelnder, mystischer Malergesell und ein Verführer obenein. Recensent findet die Anmaßung und Petulanz des Dichters unerhört, der dem Leser zumuthe, sich wieder auf eine niedrige Stufe der Cultur zu stellen, der man mühsam entklommen sei. Ebendaselbst LV, 246, 1800, tritt man im „Zerbino“ in eine Gesellschaft von Narren und Tollhäuslern, wo Alles spricht, von den Cedern des Libanon bis hinab zu den Schemeln; es sei ein sinnliches Gaukelspiel, die Verse im Tone der Bänkelsänger, der Vortrag pöbelhaft! Glimpflich meint der Recensent der „Jenaischen Literaturzeitung“, 1800, Nr. 320, 321, auch Tieck’s Göttin der Poesie sei nicht frei von Geckerei, und er selbst von der mixtura dementiae des Goethe-Götzendienstes angesteckt. Die „Allgemeine deutsche Bibliothek“, LVIII, 352, 1801, nennt die „Genoveva“ Ammenmärchen und Gewäsch. Tieck’s Recensenten in der „Allgemeinen deutschen Bibliothek“ waren übrigens, wie sich aus einer Vergleichung ihrer Chiffern mit dem Register: „Die Mitarbeiter an F. Nicolai’s Allgemeiner deutscher Bibliothek“, ergibt, literarisch wenig bedeutende Leute, der Hofrath Pockels in Braunschweig, der Rector Schilling in Verden, der Diakonus Fleischmann in Tübingen u. A. Von Nicolai selbst rührt keine dieser Kritiken her. Merkel in seinen „Briefen an ein Frauenzimmer über die wichtigsten Producte der schönen Literatur“, I, 17 fg., macht seiner Galle in folgendem Ergusse Luft: Herr Tieck ist ein Mensch, der sich, wie manches Insekt, durch Stechen bemerkbar zu machen sucht; er travestirt Shakspeare und verzerrt ihn im Hohlspiegel der Armseligkeit; er ist schwachen Geistes; seine poetische Kühnheit ist Wahnsinn und Unverschämtheit; er verfällt in Schülerstreiche; er überbietet allen Menschenverstand; die „Genoveva“ ist ein Pfuschwerk und eine Vogelscheuche; er möge sich entscheiden, ob er für Pöbel oder für Kinder schreibe; seine höhere Naturen, von denen er spreche, seien vielleicht beides zugleich! Doch genug der Gemeinheiten! Kann man sich wundern, wenn Tieck auf solche Gegner mit der tiefsten Verachtung herabblickte? Und konnte er sie besser strafen, als ihren unfreiwilligen Witz zum Gegenstande seines dichterischen zu machen?