[S. 80.] Eine Art von politischem Glaubensbekenntniß in dem angedeuteten Sinne gibt Tieck in der Novelle „Des Lebens Ueberfluß“.
[S. 85.] Immermann’s Brief an Tieck, der den Bericht über die Darstellung des „Blaubart“ in Düsseldorf gibt, findet sich in den „Theaterbriefen von K. Immermann, herausgegeben von G. zu Putlitz“, S. 90.
[S. 85.] Einige Andeutungen über das Leben der Adelheid Reinbold hat Tieck in der Vorrede zu ihrem Roman „König Sebastian“ gegeben. „Kritische Schriften“, II, 393.
Fünftes Buch.
[S. 118.] Die herausgehobene Stelle aus der Anzeige der Aufführung des „Gestiefelten Kater“ s. „Kritische Schriften“, IV, 378.
[S. 129.] Tieck an Solger den 6. Jan. 1815 in „Solger’s nachgelassene Schriften“, I, 331.
[S. 131.] Brentano’s Zeugniß über Tieck’s mimisches Talent s. in Brentano’s „Frühlingskranz“, S. 451, und das von Steffens „Was ich erlebte“, IV, 129, 132. Siehe auch das Gedicht „Der Ueberlästige“, „Gedichte“, III, 173.
[S. 142.] Die Behauptung, Tieck sei zur katholischen Kirche übergetreten, bedarf für diejenigen, welche mit seinem Bildungsgange, dem Wesen seiner Dichtung und seines Charakters vertraut sind, keiner Widerlegung. Da eine solche Kenntniß indeß nur bei Wenigen vorauszusetzen war, so hat jene Behauptung nicht allein früher allgemein Eingang gefunden, sondern auch heute ist sie gedruckt zu lesen; vor noch nicht langer Zeit hat eine östreichische Zeitung darüber die abgeschmacktesten Märchen aufgetischt. Damit das Leben des romantischen Dichters durch dergleichen romanhafte Traditionen oder Erfindungen nicht vollends ein mythisches werde, mögen folgende Punkte hier hervorgehoben werden: 1) Weder Tieck’s Anerkennung der katholischen Kirche noch sein Charakter war von der Art, daß ein Uebertritt zu derselben für ihn eine nothwendige Consequenz gewesen wäre. Die Beweise dafür liegen in der vorstehenden Lebensgeschichte. 2) Die Dichtung, welche Tieck 1802 entwarf, und deren Skizze er in der Novelle „Die Sommerreise“ mittheilt, ist beweisend für seine Stellung zu beiden Confessionen, selbst in der Zeit, wo er noch mit dem „Octavian“ beschäftigt war. Wer so bestimmt das allgemein Religiöse von der historischen katholischen Kirche unterschied, konnte nicht versucht sein, sich in diese aufnehmen zu lassen. 3) Im Jahre 1803 forderte der zum Katholicismus übergetretene Norweger Möller Tieck brieflich auf, seinem Beispiele zu folgen. Dieser Brief findet sich in Tieck’s Papieren. 4) Die Briefe, welche aus der Zeit seines Aufenthalts in Rom vorhanden sind, enthalten keine Spur eines etwa erfolgten Uebertritts; an einer Stelle findet er es nöthig, dem Gerüchte zu widersprechen, als sei seine Schwester katholisch geworden. 5) Als er im Herbste 1806 aus Italien zurückkehrte, besuchte er in Heidelberg Voß, und sagte in einem Gespräche zu diesem: „Mein Hauptzweck war Forschung der römisch-katholischen Religion; sie schien mir ein fast erstorbener Baum, aus dessen Wurzel jedoch, wenn sie gepflegt würde, ein neuer Baum steigen könnte, mit ursprünglicher Kraft; ich habe geforscht, und faul war die Wurzel bis zu den äußersten Fäserchen.“ So bezeugt Voß selbst, Tieck’s Ankläger, in der Schrift: „Bestätigung der Stolberg’schen Umtriebe“, S. 113. Diese Aeußerung steht in vollem Einklange mit Tieck’s damaliger Entwickelung; sie spricht den Rückzug vom katholischen Enthusiasmus entschieden aus. Voß war viel zu sehr mit der Aufspürung geheimer, im Dunkeln schleichender Umtriebe beschäftigt, als daß er einer so einfachen Versicherung hätte glauben sollen; sie war nach seinem Sinne ein jesuitisches Manöver, obgleich Tieck sie freiwillig, wie Voß bezeugt, gethan hatte. Voß wußte es besser. Ein „berühmter Baumeister“ hatte ihm aus Tieck’s Munde die Aeußerung erzählt: Wer in der Kunst sich heben wolle zum Ideal, müsse katholisch werden; „eine aus Italien kommende Beobachterin“ hatte ihm erzählt, Tieck sei katholisch geworden, und die Kirche und den Prälaten genannt. Daß damals auch Personen, die Tieck näher standen, und seinen Uebertritt zur katholischen Kirche wünschten, davon nichts weiter zu berichten wußten als dasselbe Gerücht, welches man in Heidelberg kannte, ergibt sich aus dem Briefe von Dorothea Schlegel an Karoline Paulus vom 1. Dec. 1805, wo es heißt: „Daß Tieck katholisch geworden sei, haben wir auch durch das Gerücht erfahren, officiell aber noch nichts.“ „H. E. G. Paulus und seine Zeit, von Reichlin-Meldegg“, II, 334. Als Tieck bei einem spätern Aufenthalte in Heidelberg Voß seinen Besuch ankündete, mit dem Zusatze, er werde sich rechtfertigen, verbat sich dieser den Besuch. Voß’ Haß des Romantischen ging in offene Feindseligkeit auch gegen Tieck über. In dem oben erwähnten Buche, das 1820 erschien, nennt er ihn einen „nicht namenlosen Kompan“ der romantischen Schule, „einen redseligen Lobpreiser des Mittelalters“, einen Mann, „der vielleicht noch heute wie Protestant mitgeht“. Aber vielleicht hat Niemand mehr dazu beigetragen, der Meinung, Tieck sei im Geheimen Mitglied der katholischen Kirche, Kraft und Verbreitung zu geben als Voß. 6) Niemals hat Tieck in den mündlichen Mittheilungen, auf denen diese Lebensbeschreibung ruht, die leiseste Andeutung eines Uebertritts gemacht. 7) Er hat auch keine Andeutung der Art gegen den Prediger Sydow gemacht, als er ihn aufforderte, an seinem Grabe zu sprechen. 8) Die katholische Kirche hat ihn als den ihren nicht in Anspruch genommen. Sie würde ihn unfehlbar noch auf dem Todtenbette zurückgefordert haben, wenn er ihr überhaupt jemals angehört hätte, denn sie hat ein gutes Gedächtniß. Somit mag denn die oft wiederholte Behauptung endlich abgethan sein!