Pitt wurde durch schweres körperliches Leiden in seinem Wirken für einen Ausgleich behindert, und so gewann der Schatzkanzler Townsend das Übergewicht im Ministerium und setzte im Mai 1767 ein neues Zollgesetz auf Tee sowie andere Waren durch. Auch sein Nachfolger, Lord North, hielt daran fest. Wieder weigerten sich die Kolonien, die besteuerten Artikel zu kaufen, und die Stimmung ward noch erregter. Schon forderten vereinzelte Stimmen Lossagung von England sowie Widerstand mit den Waffen, und im Juni 1768 kam es bereits zum Zusammenstoß englischer Zollpolizeibeamten mit leidenschaftlich erregten Amerikanern — sons of liberty, Söhne der Freiheit —, die sich der Beschlagnahme eines Handelsschiffes widersetzten.

Die englische Regierung schien jedoch Ernst machen zu wollen; im Sommer 1768 wurden die Truppen in Boston verstärkt und man drohte mit Verhaftung der Hauptagitatoren. Es ist wohl tatsächlich die letzte Gelegenheit für England gewesen, durch völliges Nachgeben oder durch äußerste Gewalt sich die Kolonien zu erhalten, aber keins von beiden geschah. Die angedrohten Maßnahmen blieben Schreckschüsse, bei Wiederaufhebung der Steuern 1769 ließ man anderseits die auf den Tee bestehen, teils um den Grundsatz zu wahren, teils zugunsten der ostindischen Kompagnie und hielt hierdurch die einmal erregte Widersetzlichkeit wach. Mißhelligkeiten zwischen den Gouverneuren und den Kolonisten an verschiedenen Orten kamen hinzu.

Die Bewegung wurde in Boston sowie in New York, wo es schon zu Reibungen mit dem durch Beschimpfung erbitterten Militär kam, immer stürmischer und ergriff auch die anderen Provinzen. Franklin, der bisher in England öffentlich versöhnlich gewirkt hatte, goß jetzt dadurch Öl ins Feuer, daß er vertrauliche Briefe der Gouverneure und England ergebener Personen, die schroffe Urteile über die Kolonien enthielten, zur Kenntnisnahme nach Boston sandte. Endlich wurde der nur geringe Teezoll der Anlaß zum Ausbruch offener Empörung. Wieder waren die Kolonien einig geworden, keinen Tee zu kaufen, und als nun die ostindische Kompagnie versuchte, ihn durch gewinnsüchtige Spekulanten doch in den Handel zu bringen, trat man diesen überall entgegen. In den meisten Staaten hinderte man nur die Ausschiffung, in dem demokratisch schroffsten Massachusetts aber brauchte man Gewalt. Am 18. Dezember 1773 drangen in Boston die „Söhne der Freiheit“ als Indianer verkleidet auf die Teeschiffe und warfen die Ladungen, 342 Kisten, über Bord.

Diese Gewalttat der Kolonisten machte den Bruch mit dem Mutterlande unheilbar; Regierung und öffentliche Meinung in England stimmten darin überein, daß jetzt rücksichtslos, besonders gegen Massachusetts, vorgegangen werden müsse. Das Parlament faßte im März 1774 drei Beschlüsse: Sperrung des Hafens von Boston für alle Waren außer Bedürfnissen des königlichen Dienstes; Aufhebung der demokratischen Verfassung in Massachusetts und Einführung einer vorläufigen Militärdiktatur; Ausdehnung der Grenzen Kanadas mit seiner absolutistischen Verfassung auf Gebiete, die von den Neuenglandstaaten beansprucht wurden.

Zugleich ward General Gage mit vier Regimentern Mitte Mai als neuer Gouverneur nach Boston gesandt; er schloß den Hafen, sperrte die Stadt ab, verlegte die gesetzgebende Versammlung nach Salem und löste sie bald hernach ganz auf. Die Einwohner von Massachusetts begannen jetzt, sich überall zu widersetzen, den Engländern die Beschaffung von Lebensmitteln zu erschweren und durch Anhäufung von Kriegsmaterial sowie Übungen der Milizen den Kampf vorzubereiten; der gesetzgebende Körper forderte vor seiner Auflösung die übrigen Kolonien auf, Deputierte zu einem allgemeinen Kongreß in Philadelphia zu senden.

Dieser Kongreß ward im September 1774 von zwölf Staaten[113] beschickt, nur Georgia schloß sich erst im folgenden Jahre an. Ein Ausschuß der bedeutendsten Männer des Kongresses verfaßte mit Mäßigung, großer Beredsamkeit, sowie mit steter Berufung auf die englischen Gesetze eine Anzahl von Staatsschriften, die eine Abhilfe der Mißstände, aber immer noch auf loyalem Wege anbahnen sollten; sie erschienen im Herbst 1774. Die wichtigsten sind: Eine Schilderung der Verhältnisse der in ihrer Verfassung bedrohten Provinz Massachusetts; eine „Erklärung der Rechte der Kolonien“ nach Art der einst vom englischen Parlament gegen Karl I. ergangenen „Petition of rights“; eine Bittschrift an den König; eine Adresse an das englische Volk, in der zu beweisen versucht wurde, daß die Amerikaner Verteidiger der Rechte aller Engländer gegen die Übergriffe der Regierung seien.

In den Schriften lagen jedoch auch versteckte Drohungen, u. a. die Erklärung, die Kolonien würden jede Verbindung mit England abbrechen, bis ihren Beschwerden abgeholfen wäre. Der Kongreß sprach ferner den Einwohnern von Boston seine Zustimmung für ihr bisheriges Auftreten aus und ermutigte sie, den Widerstand fortzusetzen, auch wurden die Kanadier aufgefordert, sich den Kolonien anzuschließen. In England fanden diese Erklärungen und Petitionen kein Gehör, obgleich sie durch den Handelsstand sowie durch Pitts Partei warm unterstützt wurden. Im übrigen Europa, besonders in Frankreich, erregten sie große Begeisterung für die Amerikaner.

Der König wies die Bittschrift geringschätzig ab, und das Parlament erklärte im Februar 1775 Massachusetts für im Aufstande befindlich, untersagte allen Verkehr mit Neuengland, sowie die Ausübung der Fischerei auf den Neufundlandbänken seitens der Amerikaner, um so deren Handel lahmzulegen, und bewilligte 6000 Mann neue Truppen. Nun brachte zwar Lord North noch den Zusatz durch, die Zwangsmaßregeln sollten erlöschen, sobald eine Kolonie sich unterwerfe und einen festen Steuerbetrag bewillige, aber diesen schwachen Versöhnungsversuch wiesen die Amerikaner zurück und den Regierungsmaßregeln setzten sie Gewalt entgegen. Die Mehrzahl des Volkes erklärte sich gegen England, nur wenige, die sogenannten „Loyalisten“ blieben ihm treu. England dagegen gab seinen Beschlüssen keinen genügenden Nachdruck durch die Tat, sondern hoffte immer noch durch bloße Drohungen Nachgiebigkeit zu erreichen und ließ so dem Gegner Zeit zum Rüsten. Dies wurde besonders in Massachusetts eifrig betrieben. Die Milizen wurden besser gegliedert; mit Hilfe fremder Offiziere und vieler Amerikaner, die bisher im englischen Dienst gestanden hatten, stellte man stehende Truppen auf; Arsenale, Waffen- und Pulverfabriken wurden eingerichtet. Im Winter 1774/75 standen in Massachusetts bereits so viel Amerikaner unter Waffen, daß sich General Gage auf Boston beschränkt sah; in Newhampshire bemächtigten sich (Dezember) die Milizen zweier kleiner Forts und in Rhode-Island nahmen sie 40 Kanonen.

Im Mai 1775 trat der Kongreß in Philadelphia wieder zusammen. Er sandte nochmals Adressen an König und Parlament, traf aber gleichzeitig Maßregeln für den Krieg. Es wurde die Ausgabe von drei Millionen spanischer Dollars Papiergeld festgesetzt, jeder Verkehr mit England und dessen anderen Kolonien verboten, sowie die Aufstellung eines Nationalheeres angeordnet; zum Oberbefehlshaber ward am 16. Juni George Washington ernannt — der rechte Mann an der rechten Stelle. Tatsächlich hatte der Krieg mit einem blutigen Zusammenstoß bei Lexington am 18./19. April schon begonnen und gleich darauf setzte Massachusetts Truppen gegen Boston und gegen die Grenzen Kanadas in Marsch. Als der Kongreß unter dem Einfluß des aus England zurückgekehrten Franklin, sowie in sicherer Hoffnung auf französische Hilfe am 4. Juli 1776 die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika erklärte, dauerte der Krieg bereits ein Jahr.