| Englands Seestreitkräfte (Linienschiffe). | |||||
| Heimische Gewässer | Mittelmeer | Westindien[1)] | Nordamerika[2)] | Ostindien | Insgesamt |
| 1778: 48 | 1 | 14 | 12 | 2 | 77 |
| 1779: 43 | 2 | 30 | 10 | 8 | 93 |
| 1780: 43 | 2 | 33 | 17 | 8 | 102 |
| 1781: 39 | 1 | 44 | 19 | 12 | 115 |
| 1782: 35 | 1 | 59 | 12 | 22 | 129 |
1) In Westindien waren zwei Stationen besetzt: die Kleinen Antillen (Barbados) und Jamaika; letztere war im allgemeinen die weit schwächere.
2) In Nordamerika lag der Schwerpunkt der Station in New York, doch war auch Halifax besetzt.
| Streitkräfte der Verbündeten. | |||||||||||||
| Brest bzw. spanische Küste | Toulon bzw. Mittelmeer | Westindien[1)] | Nordamerika | Ostindien | Insgesamt[2)] | ||||||||
| 1778 | Frankreich | 32 | 5 | 23 | — | 2 | 62 | ||||||
| 1779 | Frankreich | 30 | 5 | 25 | — | 2 | 62 | 118 | |||||
| Spanien | 38 | — | 18 | — | — | 56 | |||||||
| 1780 | Frankreich | 27 | 4 | 27 | 7 | 5 | 70 | 123 | |||||
| Spanien | 35 | — | 18 | — | — | 53 | |||||||
| 1781 | Frankreich | 26 | ? | 29 | 8 | 11 | 74 | 125 | |||||
| Spanien | 32 | 3 | 15 | — | — | 50 | |||||||
| 1782 | Frankreich | 15(min.) | ? | 36 | — | 13 | 64(?) | 109(?) | |||||
| Spanien | 35 | — | 20 | — | — | 55 | |||||||
1) Die französische Flotte Westindiens trat auch in Nordamerika auf.
2) Zu diesen Zahlen sind nach oben Gesagtem sicher noch einige zuzurechnen. So gibt Campbel (Band 7, Seite 94) für Frankreich 1782 als in Dienst befindlich 89 Linienschiffe an; diese Zahl erscheint allerdings viel zu hoch, während anderseits die für dieses Jahr von uns angegebene wahrscheinlich sehr gering bemessen ist.
Die Vereinigten Staaten von Nordamerika[121] schufen während des Krieges eine kleine Marine; der 22. Dezember 1775 gilt als ihr Geburtstag. Der Kongreß befahl am 5. Oktober 1775 dem General Washington, zwei vor Massachusetts zum Kreuzen gegen Zufuhren der Engländer ausgerüstete Fahrzeuge in den Dienst der Allgemeinheit zu nehmen, um zwei mit Waffen und Munition erwartete Schiffe abzufangen, da dem Landheere besonders Pulver fehlte. Am 13. Oktober wurde dann eine Kommission eingesetzt, um die Ausrüstung von weiteren vier Fahrzeugen in die Wege zu leiten, und im November beschloß man, durch Aufbringen von englischen Kriegs- sowie Handelsschiffen den Krieg auch zur See zu führen.
Die Kommission ward dann zur festen Behörde für Angelegenheiten der Marine und erließ organisatorische Bestimmungen für eine solche; am 11. Dezember ordnete man den Bau von 5 Schiffen zu 32 Kanonen, 5 zu 28, 3 zu 26 an, die im März 1776 seeklar sein sollten. Sechs dieser Schiffe sind niemals in See gegangen, sie wurden schon in den Bauhäfen von den Engländern zerstört. Gleichzeitig wurden geeignete Handelsschiffe zu Kriegszwecken eingerichtet — 2 Vollschiffe zu 20 und 24 Kanonen, 2 Briggs, 1 Sloop und 2 Schoner — und am 22. Dezember 1775 die Offiziere für diese ernannt, nämlich ein Kommodore, 4 Kapitäne, 5 Leutnants I. Klasse (unter diesen der bald berühmte John Paul Jones), 8 II. Klasse. An einem der nächsten Tage heißte auf dem Flaggschiff „Alfred“ der erste Offizier (Jones) eigenhändig die neue Flagge: 13 Streifen, abwechselnd rot und weiß, mit dem britischen Union Jack[122]. Das kleine Geschwader konnte jedoch des Eises wegen nicht vor dem 17. Februar 1776 zum ersten Male in See gehen (zu einer Expedition gegen die Bahamainseln). Die 8 Fahrzeuge führten insgesamt 110 Kanonen, als schwerste aber nur 9-Pfdr. Zu Offizieren hatte man meist Personen ernannt, die sich schon auf den kleinen Kreuzern der Küstenstaaten ausgezeichnet hatten, unter den Mannschaften befanden sich dagegen viele Nichtseeleute, da die seemännische Bevölkerung den Dienst auf Freibeutern vorzog.
Als die Unabhängigkeitserklärung am 4. Juli 1776 erfolgte, zählte die Marine 24 Fahrzeuge aller Größen bis zur schweren Fregatte (32 Kanonen) mit 422 Geschützen. Während der Kriegsjahre wurde sie nach Kräften durch Neubau, Kauf und Einstellung genommener Fahrzeuge vermehrt, aber fast alle Schiffe fielen dem Feinde in die Hände, wurden vernichtet oder gingen sonst verloren; beim Friedensschluß waren nur noch 3 größere Schiffe mit insgesamt 84 Geschützen vorhanden. Der Verlust[123] betrug 3 Schiffe zu 40–44 Kanonen, 13 zu 28–32, 6 zu 20–26, 11 zu 12–14 und 6 zu 4–10. Rühmend heben amerikanische Quellen hervor, daß kein Kriegsfahrzeug von englischen Freibeutern genommen sei, während amerikanische Freibeuter 16 englische Kriegsschiffe genommen hätten.