Verwendung fand die Marine nur in Verbindung mit Operationen am Lande sowie im Kleinen Kriege; die Angaben über die Größe der Schiffe machen dies selbstverständlich. Nach dem Kriege wurden die noch vorhandenen Fahrzeuge verkauft, da die öffentliche Meinung gegen jede stehende Waffe als eine monarchische Einrichtung war und auch deren Kosten scheute. Erst 1794 gaben die Schäden, die der Seehandel durch die Barbaresken erlitt, Anlaß zur Gründung einer neuen Marine.
Der Krieg in Nordamerika bis 1778[124].
Das Jahr 1775 verlief für England ungünstig. Dies hatte in Friedenszeiten in den Kolonien stets nur wenig Truppen, schwache Garnisonen in einigen Städten sowie in den kleinen Forts, und selbst als die Lage bedenklich wurde, sandte man nur geringe Verstärkungen hinaus, obgleich die Kolonien 1775 schon gegen 2 Millionen weiße Einwohner zählten. Es war für England auch nicht leicht, sofort größere Kräfte aufzubieten.
Die englische Landarmee betrug 1774 nur 17500 Mann — die Flotte war mit 20000 Seeleuten bemannt; für 1775 waren gar nur 18000 ausgeworfen —, für 1776 bewilligte das Parlament 55000 Soldaten, für die Marine 28000 Mann, von denen die größere Zahl nach Amerika bestimmt war, aber man vermochte sie nicht aufzustellen, da die Werbungen in Großbritannien und Irland wenig Rekruten brachten. Nur unter Entblößung der Heimat konnte man die nötigsten Verstärkungen hinaussenden, und der Kriegsminister empfahl, die aufständischen Kolonien allein durch Vernichtung ihres Handels sowie Zerstörung der Küstenstädte mürbe zu machen. Hiervon wollte jedoch der König nichts wissen, sondern kaufte für 1776 etwa 18000 Soldaten von den kleinen deutschen Fürsten; in den nächsten Jahren bis zu 25000 insgesamt. Als Kurfürst von Hannover sandte er ferner 2300 Hannoveraner nach Gibraltar und Minorca zur Ablösung englischer Regimenter. Auf diese Weise wurden noch mehr Truppen aufgestellt, als das Parlament bewilligt hatte, zum Teil aus Mitteln, die Korporationen und Private zur Verfügung stellten. — Wie Friedrich der Große über den Menschenhandel in Deutschland dachte, zeigte sein Ausspruch: „Es sei billig, wenn er für die durch sein Land ziehenden Soldaten den Viehzoll erhebe, da sie doch wie Vieh verkauft wären.“
Gefechte bei Lexington und Bunkershill. Als General Gage im Frühjahr den Gouverneursposten in Boston übernahm, hatte er nur etwa 3500 Mann zur Verfügung, während in Massachusetts schon 12 000 Mann unter Waffen standen und eifrig weiter gerüstet wurde. Bei Concord, etwa 6 Stunden von Boston, war ein Magazin eingerichtet; um es aufzuheben, entsandte Gage Mitte April 800 Mann. Diese Truppe wies zwar auf dem Hinmarsche eine kleine Abteilung Milizen blutig ab, die sich ihr in den Weg stellte, und führte ihren Auftrag aus, wurde aber auf dem Rückmarsch durch große Scharen der durch das erste Blutvergießen erregten Bevölkerung bei Lexington am 19. April angegriffen, verlor 65 Tote, 180 Verwundete sowie 28 Gefangene und würde vernichtet worden sein, wenn ihr nicht von Boston 16 Kompagnien zu Hilfe gekommen wären. Dieses Gefecht gilt als der Anfang des Krieges; Gage erklärte das Kriegsrecht, mußte sich aber in Boston verschanzen, da die Stadt von jetzt an durch die Amerikaner eingeschlossen wurde.
Am 24. Mai trafen nun zwar die Generale Howe, Clinton und Burgoyne mit Truppen ein, wodurch das Heer auf 10000 Mann kam, unternahmen aber noch nichts. Dagegen erlitten die Engländer eine neue Niederlage. Als sie auf der durch den Charles-River von Boston getrennten Landzunge eine die Stadt beherrschende Höhe — Bunkershill — befestigen wollten (jetzt erst!), kamen ihnen die Gegner zuvor. Die von diesen am 16. Juni angelegte Befestigung wurde nun allerdings am 17. Juni von den Engländern genommen, aber der Angriff kostete ihnen, trotz Unterstützung durch das Feuer ihrer Kriegsschiffe, 1054 Mann, einschließlich 89 Offiziere, an Toten und Verwundeten, während die Amerikaner nur 449 Mann einbüßten und sich — wegen Munitionsmangels — in guter Ordnung zurückzogen. Nun trat George Washington an die Spitze des amerikanischen Heeres und brachte es auf 20000 Mann, aber die Disziplin ließ sehr viel zu wünschen übrig, und es mangelte an Kriegsmaterial jeder Art. Die Engländer, über die im Oktober Sir William Howe den Oberbefehl übernahm, versuchten nicht einmal, die Linie der Belagerer zu durchbrechen, obgleich diese später kaum 9000 Mann zählten, als die Milizen heimgingen, die ihren Dienst hinter sich hatten; sie hofften, durch verschärfte Maßregeln — Beschlagnahme aller amerikanischen Schiffe und Waren, sowie Blockade aller Häfen — die Kolonien zum Nachgeben zu zwingen.
Vordringen der Amerikaner gegen Kanada. In dem eben begonnenen Kriege war für beide Parteien die Hudsonlinie wichtig, die fast ununterbrochene Wasserstraße, die durch den Hudson, den George-, den Champlainsee und endlich den Richelieu-River von New York bis zum St. Lawrencestrom unterhalb Montreals gebildet wird. In der größtenteils noch unwegsamen Gegend bot sie den Weg für amerikanische Angriffe auf Kanada sowie für englische von dort; von den Engländern völlig beherrscht, setzte sie diese in den Stand, die gefährlichsten Kolonien — die Neuenglandstaaten — von den weniger feindseligen mittleren abzuschneiden. Deshalb und auch wohl in der Hoffnung, die widerstrebenden Kanadier doch noch herüberzuziehen, bemächtigten sich im Mai die Obersten Arnold und Allen von Massachusetts aus mit nur 270 Mann des Forts Ticonderoga, an der Südspitze, und des Forts Crownpoint am Westrande des Champlainsees.
Von hier aus segelte Arnold in einem Schoner zur Nordspitze des Champlainsees bis zu dessen Ausfluß, dem Richelieu-River, und nahm hier das Fort St. Johns. Halten konnte er sich hier allerdings nicht, da eine starke englische Truppe im Anmarsch war, die der Gouverneur von Kanada, General Carleton, zur Verstärkung der Grenzforts abgesandt hatte, aber er verbrannte vor seinem Rückzuge alle Fahrzeuge im Norden des Sees und sicherte sich so Crownpoint und Ticonderoga. Der Kongreß, der im Mai wieder zusammengetreten war und mit England verhandelte, war zwar anfangs mit diesem Vorgehen nicht einverstanden, gab aber später Washington Befehl, Truppen für einen Einfall in Kanada bereitzustellen. Am 4. September schiffte General Montgomery in Crownpoint 2–3000 Mann ein, nahm Fort Chambly am Richelieu-River und zwang St. John am 3. November zur Übergabe. Er zog dann weiter, besetzte am 13. November Montreal ohne Kampf und ging den St. Lawrencestrom hinab gegen Quebec vor; hier traf er auf Arnold. Dieser war während des Oktober durch die Wälder vorgedrungen, wobei er infolge von Strapazen 500 Mann von 1200 verlor, hatte am 13. November oberhalb Quebec den Strom überschritten und dieselbe Höhe besetzt, die Wolfe 16 Jahre früher erklommen; Carleton zählte nur 1500 Mann und war zu schwach, ihn zu vertreiben. Nach Montgomerys Eintreffen, Anfang Dezember, ward die Stadt eingeschlossen. Zu einer regelrechten Belagerung waren aber keine Mittel vorhanden, und ein Sturm am 31. Dezember, bei dem Montgomery fiel, wurde abgeschlagen. Arnold mußte sich nun begnügen, dem Feinde die Zufuhren vom Lande her abzuschneiden; von See her tat dies das Eis. Die Kanadier zeigten keine Neigung, von England abzufallen.
Das Jahr 1776 brachte gleichfalls einige bemerkenswerte Ereignisse zur See. Auf die Nachricht von dem ersten Blutvergießen bei Lexington bemächtigten sich die Einwohner von Machias (Maine) mittels einer Sloop eines bewaffneten Regierungsschoners, der mit Mastenhölzern beladene Fahrzeuge nach Boston bringen sollte. Sie armierten mit seinen Kanonen die besser segelnde Sloop und nahmen dann zwei Kriegsschoner, die von Halifax zur Verhaftung des Rädelsführers der ersten Gewalttat geschickt waren. Diese drei Fahrzeuge ließen sie gegen Schiffe kreuzen, die den Engländers in Boston Proviant und Material brachten. In ähnlicher Weise wurde bei Rhode-Island ein Kriegsschoner genommen, dessen Kommandant wegen seiner Schroffheit beim Durchsuchen von Handelsschiffen verhaßt war. Wie Maine sandten auch Massachusetts und Rhode-Island kleine Kreuzer gegen die englischen Zufuhren aus; bald nahm der Kongreß diesen Kaperkrieg in die Hand (vgl. Seite [225]). Besonders erwünscht war das Abfangen von Transportern mit Munition, da die eigenen Milizen hieran Mangel litten.